Mitglieder des Vereins Erfurter Gästeführer bei Sonderführungen zum Weltgästeführertag 2017

Airbnb bietet „Entdeckungen“ jetzt auch in Deutschland – Konkurrenz für klassische Führungsangebote?

Die Sharing-Plattform Airbnb hat ihr Angebot im Segment „Entdeckungen“ nun auch in Deutschland buchbar gemacht. Start ist zunächst in Berlin, weitere Städte sollen rasch folgen. In diesem Bereich des Portals kann jedermann individuelle, erlebnisorientierte Angebote für einen oder mehrere Tage anbieten – quasi als Ergänzung zu Übernachtungsangeboten. Das können Angebote zu Kulinarik, Sport oder Nightlife sein oder auch Auto-Vermietungen, Restaurants und Happy-Hour-Events. Buchbar sind die Angebote aus der Airbnb-App heraus. Einige Medien und Touristiker warnen davor, dass das Sharing-Portal damit nicht mehr nur Hoteliers, sondern auch klassischen Reiseveranstaltern, professionellen Gästeführern oder Tourismusmarketing-Einrichtungen der Städte und Regionen Konkurrenz machen könnte.

Der Bundesverband der Gästeführer in Deutschland (BVGD) sieht hier derzeit keine unmittelbare Konkurrenz für das klassische Tagesgeschäft der meisten im BVGD organisierten Gästeführer. Laut Beschreibung sollen bei Airbnb nämlich „keine Touren“ angeboten werden, sondern etwas, das „Reisende nicht allein organisieren könnten und sie in keinem Reiseführer und mit keiner Onlinesuche  finden würden“. Damit ziele Airbnb mehrheitlich auf eine andere Kundengruppe, sagt BVGD-Sprecherin Sonja Wagenbrenner: „Unsere Kunden buchen in der Regel seriöse, gut ausgebildete oder zertifizierte und auch allgemein gut informierte Gästeführer, die ihren Job professionell verstehen, die kaufmännischen Regeln kennen, verlässlich und sicher durch einen Ort führen, und für den Notfall auch haftpflichtversichert sind.“

Als Verband, der sich der Qualitätssicherung bei Gästeführungen verpflichtet sieht, müsse man die Frage stellen, was eigentlich die von Airbnb geforderten „Qualitätsstandards“ für seine „Entdeckungen“ sind und wer sie prüft. Und das Ganze eventuell auch an offiziellen Richtlinien, Honoraren und auch Steuern vorbei gehe: „Ich bekomme zwar versprochen, mit hippen locals auf unbefangene  Weise sehr ausgefallene und persönliche Erlebnisse zu teilen. Aber letztlich geht es doch auch hier ums Geschäft und darum, seine Firma oder Marke schnell und effizient an einen großen potentiellen Kundenkreis zu vermarkten“, so Wagenbrenner weiter. Unter Umständen laufe man auch Gefahr, dass eine „coole Entdeckung“ letztlich in Chaos und Betrug ende, wenn die Anbieter nicht verantwortungsvoll handeln: „Sind sich die Anbieter denn im Klaren über die Gesetze z. B. zum Ausschank von Alkohol oder zur Beförderung von Personen? Wer bezahlt hier wann wen und ist der Preis, den ein Anbieter angeblich selbst festlegen kann, wirklich gerechtfertigt?