Starker Rückhalt für neue Ziele des BVGD


Empfang im Freiberger Rathaus:
Bürgermeister Holger Reuter und Dr. Ute Jäger

Auf der Jahreshauptversammlung in Freiberg diskutieren die Gästeführer über die Auswirkungen der Wirtschaftskrise, die Zukunftsprojekte des BVGD und die künftige Finanzbasis unseres Vereins.

Die erste milde Frühlingssonne fiel in die engen Gassen der alten Bergwerks- und Universitätsstadt Freiberg. 160 BVGD-Mitglieder reisten zur Jahreshauptversammlung 2010 ins Herz Sachsens am nördlichen Rand des Erzgebirges.
Für Freibergs Bürgermeister Holger Reuter war es der passende Anlass, eine touristische Bilanz nach einer sehr erfolgreichen Wintersaison zu ziehen. „Zufriedenheit mit der Zahl der Gäste und den Übernachtungen“, lautete Reuters Fazit bei der Begrüßung der Tagungsteilnehmer im Festsaal des Ratskellers. Die Statistik belegt den Erfolg des Freiberger Tourismus: Eine Steigerung von 12 % bei den Übernachtungen 2010 und ausgebuchte Hotels während der Skisaison. Der Tourismus trägt somit ganz wesentlich zur Stärkung der Freiberger Wirtschaft bei.
Dr. Ute Jäger zeigte sich in ihrer Dankesrede entsprechend beeindruckt von über 90.000 jährlichen Übernachtungen und einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer der Gäste von zwei Tagen.
Die Zeugnisse der Jahrhunderte alten Bergbautradition Freibergs seien zwar das wichtigste Potential des lokalen Tourismus, so Reuter weiter, „Sie alleine genügen jedoch nicht." Daher setzt Freiberg intensiv auf Themenführungen sowie auf Führungen mit speziellem Erlebnischarakter, wie die literarischen Rundgänge durch die denkmalgeschützte Altstadt. Die Freiberger Gästeführer sehen in einer ständigen Qualitätsverbesserung ihre Chancen, sich zu profilieren.
Passend zu diesen Ankündigungen beleuchteten Rolf Mögel und das Team des gastgebenden Fördervereins Gästeführer Tharandter Wald – Osterzgebirge e.V. auf diversen Führungen, die den Tagungsteilnehmern angeboten wurden, das breite Spektrum der reichen Vergangenheit der 40.000-Einwohner Stadt. Dazu zählten Exkursionen ins Erzgebirge und ein Besuch der Ausstellung „terra mineralia“. Die Universitätsstadt Freiberg zwischen Dresden und Chemnitz verkörpert auf faszinierende Weise Tradition und Modernität. Das reiche, noch heute überall sichtbare Erbe des Silberbergbaus war die Grundlage für die erfolgreiche Entwicklung zu einem modernen Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort, der heute Teil der Metropolregion Sachsendreieck ist. Im hohen Mittelalter machten Freibergs Silberreichtum und Münzstätte das Kurfürstentum Sachsen zu einem wohlhabenden Staatswesen. 1765 wurde die Bergakademie gegründet - eine der weltweit ältesten bergbautechnischen Hochschulen.
Mittelpunkt der Stadtführungen war der gotische Dom, Grablege der Wettiner und beeindruckendes Zeugnis spätmittelalterlicher Kunstfertigkeit. Das Konzert an der Silbermannorgel bildete den stimmungsvollen Höhepunkt vor dem offiziellen Beginn der Tagung im Konferenzzentrum Nicolaikirche.

Dr. Christian Striefler, Direktor der Staatlichen Schlösser und Burgen Sachsens, ordnete in seinem Grußwort Freibergs Kulturgüter in den Gesamtzusammenhang der sächsischen Denkmäler ein. „Das Schöne an Sachsen“, so Dr. Striefler, „ist seine enorme Vielfalt“. Er nannte unter anderem Meißen und Dresden, wo man 2010 das 300-jährige Jubiläum des Porzellans feiert, oder Görlitz, das sich als Kulturhauptstadt beworben hatte. Sachsens Tourismus insgesamt habe in den vergangenen Jahren eine positive Entwicklung genommen. So seien die Skigebiete im Erzgebirge in der Wintersaison ausgebucht, Leipzig erfreue sich wachsenden Interesses, und selbst die Besucherzahlen Dresdens seien auch nach der Aberkennung des Status „Weltkulturerbe“ nicht zurückgegangen. Die Klage der Hoteliers werde demnach „auf einem sehr hohem Niveau geführt“. Um die Vermarktung noch erfolgreicher zu gestalten, wurde der neue Begriff „Schlösserland Sachsen“ eingeführt. Die Aktivitäten der Schlösserverwaltung konzentrierten sich jedoch nicht auf bloße Steigerung der Besucherzahlen, sondern auf nachhaltige Qualitätssicherung. In diesem Zusammenhang sah Dr. Striefler eine Parallele in der Qualitätsoffensive des BVGD und unterstrich die Bedeutung der Gästeführerausbildung DIN EN: „Das ist eine wahnsinnig wichtige Sache!“ Nicht, weil der Kunde gleich auf das Gütesiegel achte, denn oft kenne er dieses gar nicht gut genug. „Vielmehr ist es der Prozess, dem man sich beständig unterzieht, der eine enorme Ausstrahlungskraft entwickelt.“


Intensive Debatten im Plenum der JHV 2010

Georg Reichlmayr, Beisitzer im BVGD, griff diesen Gedanken auf. Er ging in seinem Vortrag auf die wirtschaftliche Situation der Gästeführer ein und analysierte die Ergebnisse der Mitgliederumfrage 2009 (vgl. CICERONE 2/2009). Reichlmayr kam zu dem Ergebnis, dass sich die Gästeführer in der gegenwärtigen Krise sehr rasch und flexibel an neue Bedingungen anpassen mussten. Viele Gästeführer hätten dies aktiv unternommen: neue Spezialführungen seien entwickelt und erfolgreich angeboten worden, der Service sei verbessert, die persönliche Betreuung und Beratung des Kunden ausgeweitet, das individuelle Programm gestärkt worden. All dies erfordere sehr viel Kreativität, Einsatz bei der Vorbereitung, didaktische und methodische Fähigkeiten. Aufwand und Einsatz der Gästeführer seien zunehmend gefordert, gleichzeitig werde die Preiskalkulation immer enger.
Doch gerade der massive Anstieg der Anforderungen sei für zahlreiche Gästeführer der Grund intensiver Fortbildung. Konkret sei der Bedarf an Schulungen insbesondere im Bereich unternehmerischer Kenntnisse. Zudem vertrete der Gästeführer seine Stadt oder seine Region in einem komplizierten Europa, über das er sich ständig auf dem Laufenden halten müsse. Die Fortbildungen – ob nun im Rahmen von DIN EN oder als unabhängige Maßnahme – seien somit die wichtigste Antwort der Gästeführer auf die aktuellen wirtschaftlichen und berufsspezifischen Anforderungen, so Reichlmayrs Fazit. Weil die Schulungsmaßnahmen des BVGD nach DIN EN einen ganz konkreten Beitrag leisten, die teilweise schwierige Situation im Tourismusmarkt zu meistern, würden sie von vielen offiziellen Stellen unterstützt, von einzelnen Bundesländern, von Städten, Behörden und Organisationen. Die Wirtschafts- und Finanzkrise habe gezeigt: Veränderungen am Tourismusmarkt kommen schnell und fordern von den Gästeführern das Geschick, sich ebenso schnell den veränderten Bedingungen anzupassen, und diese Flexibilität setzt ein hohes Maß an Fachwissen und beruflicher Kompetenz voraus.
Es folgten der Vortrag des umfangreichen Tätigkeitsberichts des BVGD-Vorstands und des noch umfangreicheren Kassenberichts, woraufhin Vorstand und Schatzmeister nach einem außerordentlich arbeitsintensiven Jahr einstimmig entlastet wurden.

Im Jahresbericht wurde deutlich, dass sich der BVGD weiterhin einer wachsenden Mitgliederzahl erfreut. Inzwischen sind mehr als 4.600 Gästeführer in 160 Städten und Regionen organisiert, und gerade die Aktion „Einzelmitglieder gründen einen Verein“ war wieder erfolgreich. So stellten sich die „Zunft der Gästeführer Bad Langensalza und „Silbernes Erzgebirge“ den Delegierten persönlich vor.

Die Fachvorträge aus den einzelnen Ressorts des BVGD gaben Einblick in die aktuellen Arbeitsfelder des Vorstands. So legte Dr. Ute Jäger, Vorsitzende des BVGD, in ihrem Referat ausführlich die Gründe dar, warum der BVGD auf Bundesebene nun neue Wege gehe und welche Vorteile er sich von den Mitgliedschaften in einflussreichen Berufsverbänden, von verstärkter Lobbyarbeit und intensivem Networking verspricht (vgl. dazu „Quo vadis – Das Interview, S. 3), und Ingrid Schwoon erläuterte als zuständige Ressortleiterin das stark erweiterte Informations- und Serviceangebot der BVGD-Homepage (www.bvgd.org).

Zwei Beiträge jedoch standen im Mittelpunkt der Tagung: Dr. Wolther von Kieseritzky, stellvertretender Vorsitzender des BVGD, präsentierte die ersten Erfolge der Gästeführerausbildung DIN EN in Deutschland und zog einen Vergleich zur Entwicklung in anderen Ländern der EU, und Christian Frick, Schatzmeister des BVGD, erläuterte die neue Finanzplanung des BVGD (vgl. dazu ausführlich Berichte S. 6).
Erwartungsgemäß entwickelte sich eine intensive Debatte über den Antrag auf Erhöhung des Mitgliedsbeitrags auf 27 € pro Gästeführer ab 2011, den der Vorstand einbrachte. Doch das Abstimmungsergebnis war eindeutig und ein Signal zur weiteren Stärkung der BVGD-Aktivitäten: 917 Ja-Stimmen, 105 Nein-Stimmen und 60 Enthaltungen.


Perfekte Gastgeber: Das Team vom Förderverein Gästeführer Tharandter Wald - Osterzgebirge e.V.

Die anstrengenden Diskussionen über Finanzen und politische Strategien des BVGD, die Arbeit in zahlreichen Workshops (vgl. dazu S. 7) und die Fachgespräche konnten den geselligen Teil der Jahreshauptversammlung jedoch nicht ganz verdrängen.
Spätestens beim Bergmannsmarsch des Bergmusikkorps Saxonia Freiberg e.V. während der feierlichen Abendveranstaltung kam große Begeisterung auf, und standing ovations für die Künstler, die Gastgeber und die Organisatoren belohnten die enormen Anstrengungen, die Freiberg für die Ausrichtung der Jahreshauptversammlung unternommen hat.
Der Dank ging in erster Linie an den Förderverein Gästeführer Tharandter Wald – Osterzgebirge e.V., an die Tourismusgemeinschaft e.V. „Silbernes Erzgebirge“, die Stadtmarketing Freiberg GmbH, den Fremdenverkehrsverein Freiberg e.V., PRO-Freiberg e.V. und schließlich an Ursula Hartmann, die sich als zuständige Ressortleiterin des BVGD über die Ausrichtung einer Jahreshauptversammlung in ihrer ehemaligen Heimatstadt freute.

Nachdem sich die Heidelberger und Münsteraner Gästeführer mit zwei fulminanten Präsentationen als Gastgeber der Jahreshauptversammlungen 2011 und 2012 vorgestellt hatten, beendete Dr. Ute Jäger eine erfolgreiche dreitägige Veranstaltung mit dem traditionellen Bergmannsgruß „Glück auf!“
(Hinweis: Die DVD mit allen Fotos der JHV 2010 ist für 7,50 € über die BVGD-Geschäftsstelle zu beziehen: info@bvgd.org)



Georg Reichlmayr
BVGD – Redaktion CICERONE


Freizügigkeit der Berufsausübung:
Der Standard EN und seine Wirkkraft in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union


Dr. Wolther von Kieseritzky:
Der europäische Standard zeitigt Erfolge

Bereits zum dritten Mal referierte Dr. Wolther von Kieseritzky auf einer Jahreshauptversammlung des BVGD zum Thema DIN EN. Diesmal spannte er den Bogen weiter und erörterte die unterschiedlichen Reaktionen in den Mitgliedsstaaten der EU. CICERONE zitiert die Rede in Auszügen.

(…) Inzwischen ist unser Ausbildungssystem gut etabliert, in über 20 Regionen und Städten haben Gästeführer die Fortbildungen zum europäischen Standard begonnen, Politik und Tourismuswirtschaft haben es nicht nur zur Kenntnis genommen, sondern befördern es aktiv. (…)
Nach nicht einmal zwei Jahren Existenz eines neuen Standards finde ich das ein hervorragendes Ergebnis. Wir hatten bewusst auf die Zugkraft des europäischen Ansatzes und auf die Signalkraft des DIN Standards gesetzt. (…)
Das, was für uns in Deutschland ein großer Erfolg ist und in den nächsten Jahren mit Sicherheit auch positive Veränderungen hervorbringen wird, sieht in anderen Staaten, vor allem südlichen Ländern, anders aus.
Unser Erfolg hängt viel mit der spezifischen deutschen Situation als eines unregulierten Landes in dieser touristischen Dienstleistungsbranche zusammen. Für uns (…) stellt die Europäische Norm (…) ein Stück positives Regelwerk dar. Sie gibt einen Rahmen, der – wie wir wissen – für viele Gästeführer durchaus als eine hohe Hürde empfunden wird. In den bisher eher reglementierten europäischen Ländern, Spanien, Italien, Griechenland, Zypern, Malta, eingeschränkt auch Österreich und Frankreich, ist eine freiwillige Übereinkunft, wie sie europäische Normen darstellen, gegenüber ihrem bisherigen Qualifikations- und Lizenzsystem weniger durchgreifend.
Hier gewinnt sie Bedeutung vor allem, weil diese Staaten unter Druck geraten – unter Druck aufgrund der Durchsetzung der Freizügigkeit der Berufsausübung in der gesamten Europäischen Union. Italien oder Griechenland sehen sich beispielsweise gegenwärtig damit konfrontiert, dass der dortige Gesetzgeber mit einem Schlag sämtliche Reglementierungen für Gästeführer aufheben will – weil sie aufgrund von Urteilen des Europäischen Gerichtshofes gleichsam zur Öffnung ihrer Grenzen gezwungen sind.
Das ist alles noch nicht rechtskräftig – zeigt aber die Tendenz an, mit der unsere Kollegen in diesen Ländern lernen müssen umzugehen. Insofern gewinnt auch dort das Bestreben, den europäischen Standard der EN als Mindeststandard konkret umzusetzen, größeres Gewicht und zeitigt Erfolge. (…)
Dienstleistungsfreiheit liegt dann vor, wenn das wirtschaftliche Hauptgewicht der Tätigkeit des Gästeführers eindeutig im Heimatland liegt. Ist der Gästeführerberuf im Herkunftsstaat gesetzlich reglementiert (was in Deutschland nicht der Fall ist), muss der im EU-Raum erbrachte Befähigungsnachweis anerkannt werden.
Ist die Tätigkeit im Herkunftsland gesetzlich jedoch – wie in Deutschland – nicht reglementiert, muss der Gästeführer im Zielland nachweisen, dass er den betreffenden Beruf innerhalb der letzten zehn Jahre zumindest zwei Jahre lang im Heimatland befugt ausgeübt hat. Eine Ausbildung nach DIN EN entspricht diesem Prinzip der Berufsqualifikation. Deshalb geben wir auch inzwischen in allen Papieren des BVGD diesen Satz an. Und wir stellen auf Wunsch auch eine derartige Bestätigung aus, sofern die Voraussetzungen vorliegen – was bei unseren Mitgliedern ja der Fall ist. Nehmen wir als Beispiel Österreich (Frankreich wird aber wohl bald in ähnlichem Sinne folgen, sofern es nicht ganz dereguliert wird): Mindestens zweijährige Ausübung des Berufs in den letzten zehn Jahren – dies ist die Voraussetzung. Dann müssen Unterlagen eingereicht werden für die Dienstleistungsanzeige bei der Behörde: Nachweis der Berufsqualifikation und Nachweis der bisherigen Tätigkeit.
Dies entspricht der europäischen Direktive. Wie die bisher regulierten Länder damit umgehen, ist noch offen. Die FEG befasst sich deshalb mit der Frage, ob und was hier zu tun ist – oder um es konkret zu sagen: Ob durch eine Initiative auf Gesetzgebungsebene der EU der Norm eine größere Verbindlichkeit gegeben werden soll.

Dr. Wolther von Kieseritzky
BVGD – Qualitätsmanagement DIN EN


Auf dem Weg zur Weltkulturlandschaft: 800 Jahre Montanwesen im Erzgebirge


Bemüht sich um den Eintrag der Montanregion als Weltkulturerbe: Dipl. Geologe Jens Kugler

Größte Aufmerksamkeit, ja angespannte Konzentration breitete sich im Tagungsort Nicolaikirche aus, als Dipl. Geologe Jens Kugler von der Bergakademie Freiberg über die Geschichte des 800-jährigen Montanwesens der Region Freiberg referierte.
Die enorme Bergbauindustrie des Erzgebirges bildete die Grundlage der reichen kulturellen Blüte Sachsens.
Kugler schilderte die 40 Objekte der Montanregion (34 deutsche, 6 tschechische), die verteilt über weite Teile des Erzgebirges ein Netzwerk industriekultureller Zeugnisse bilden, dessen Eintrag als Weltlandschaftserbe zurzeit intensiv erarbeitet wird. Jedes einzelne Objekt für sich genommen wäre dazu nicht in der Lage, aber ihre Gesamtheit könnte diese Ehrung möglich machen: Gebäude, Halden und wissenschaftliche Erkenntnisse, die in den umfangreichen Archiven lagern.
Diese Archive lassen einen lückenlosen Nachvollzug der Geschichte des Montanwesens seit dem späten 18. Jahrhundert zu.
Kugler erläuterte den komplizierten Weg zur Aufnahme als Weltlandschaftserbe, insbesondere vor dem unrühmlichen Hintergrund der Aberkennung des Weltkulturerbestatus Dresdens.
Der Antrag der Montanregion solle „wasserdicht“ sein und bis 2013 zum Erfolg führen.
1168 wurde in Freiberg das erste Erz gefunden, wenige Jahre später begann eine rasante Stadtentwicklung – Goldgräberstimmung brach aus.
Im 15. Jahrhundert folgte der zweite große Aufschwung Freiberg, und schließlich folgte im 17. Jahrhundert die Blüte des Dresdener Reichtums.
5.700 Tonnen Silber, Kupfer, Zinn, Uran, Kalk, Zinn und Schmucksteine wurden seither gefördert, und die „Weiße Erdzeche“ lieferte das Kaolin für das Meissner Porzellan. Auch die Kobaltfarben des charakteristischen Meissner Blaus wären ohne den Bergbau im Erzgebirge nicht denkbar. Das Kobaltblau wurde sogar von Sachsen nach China geschickt, damit das chinesische Porzellan dort mit den sächsischen Farben bemalt werden konnte.
Die Bergbaubesiedlung des Erzgebirges wurde mancherorts archäologisch gesichert oder nachgebaut. Bergmännische Taggebäude, Schächte, Mundlöcher, Stollen, die die Wälder durchziehen, Fördertürme, Wasserwege, Aufbereitungsgebäude, Wassersäulenmaschinen und Kunsträder wurden erforscht. Tausende von unterirdischen Kilometern sind nach wie vor zugänglich und befahrbar, doch nur wenige davon werden touristisch genutzt.
Schächte finden sich sogar direkt unter dem Freiberger Ortskern. Doch ist der Bergbau im Erzgebirge keine abgeschlossene Geschichte: Bis zur Deutschen Einheit wurde von der Sowjetunion in 2.000 m Tiefe und bei 68° C Uran abgebaut, und der Kalkabbau hält die Bergbautradition untertage bis heute aufrecht.
(Literaturtipp: Bernd Lahl/Jens Kugler: Alles kommt vom Bergwerk her - das große Buch vom Bergbau im Erzgebirge, Chemnitz 2005 ISBN 3-937025-13-8. - Hinweis: Der Vortrag ist im Umfang von 90 Minuten im Bereich Geologie für DIN EN anrechenbar)

Georg Reichlmayr
BVGD – Redaktion CICERONE


Umfangreiches Rahmenprogramm in Freiberg: "Glück auf!"


Freiberger Berg- und Hüttenknappschaft

In historischen Gewändern und mit viel Charme zeigten uns die Freiberger Kollegen ihre Stadt. Die Touren begannen am Tagungszentrum, der Nikolaikirche, deren Baugeschichte allein schon ein Beweis für die Eigenwilligkeit und Durchsetzungsfähigkeit der Freiberger ist. Obwohl ihnen im 12. Jahrhundert nur ein Kirchturm zustand, schufen sie in einer Nacht- und Nebelaktion vollendete Tatsachen, indem sie einfach einen zweiten Turm hochzogen.
In direkter Nachbarschaft liegt auch das das älteste Stadttheater der Welt, das liebevoll die „kleine Semperoper“ genannt wird.
Weiter ging es zum Donatsturm und durch die Pfarrgasse mit sehenswerten Gebäuden. Beeindruckt hat uns die Geschichte von Professor Wagenbrecht, der in den 60er Jahren verhinderte, dass an Stelle dieses historischen Straßenzuges eine Plattenbausiedlung entstand.
Über den Untermarkt mit dem Stadt- und Bergbaumuseum führte unser Weg zum spätgotischen Dom St. Marien mit der berühmten Silbermannorgel. Ein überraschendes Highlight glückte den Freibergern mit dem kleinen Orgelkonzert, das für uns hier gegeben wurde. Überhaupt gab uns die Führung im Dom Einblicke in die reiche Kunst- und Architekturgeschichte Freibergs. Die „Goldene Pforte“ mit den reich verzierten Säulen und den aufwändig gearbeiteten Skulpturen beeindruckte alle sehr.
Am Schloss Freudenstein mit der weltgrößten Mineraliensammlung „terra mineralia“ vorbei, ging es zum Obermarkt mit dem historischen Rathaus und dem Denkmal des wettinischen Stadtgründers, Marktgraf Otto den Reichen.
Eine besondere Überraschung wurde uns am Samstagabend geboten: Ein Auftritt der historischen Freiberger Berg- und Hüttenknappschaft. Zwischen den zünftigen Musikeinlagen wurden auf präzise Weise die Funktion und Kleidung der Bergleute erklärt, was einen interessanten und aufschlussreichen Einblick in die Freiberger Bergbaugeschichte bot.
Ein großes Dankeschön an die Kollegen, die uns auf herzliche und beeindruckende Weise ihre Heimatstadt Freiberg näher brachten!

Reidun Aschenbrennner und Christiane Haack
Münchner Gästeführer Verein e.V.
www.mgv-muenchen.de





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