Jahreshauptversammlung des BVGD 2012 in Westfalen:
Mein Münster bewegt, überzeugt, fasziniert, überrascht, begeistert ...
Und genau das möchten wir den TeilnehmerInnen der Jahreshauptversammlung des BVGD 2012 zeigen: Unser Münster! Wir GästeführerInnen und überzeugte MünsteranerInnen, freuen uns, all diejenigen hartgesottenen KollegInnen und Gäste begrüßen zu dürfen, die sich von den kolportierten Klischees nicht abschrecken lassen, sondern sich hoffentlich gern aufmachen, eine lebendige Stadt für sich zu entdecken. Denn Münster hat viel zu bieten, manches davon ist sogar einzigartig! Hier sind schon einmal ein paar Kostproben:
Kongresse
Als erfolgreicher Ausrichter von Tagungen und Konferenzen kann Münster auf eine bemerkenswerteTradition zurückblicken. Der sicherlich längste und historisch bedeutendste Kongress endete im Jahre 1648 mit dem Westfälischen Frieden. Mit Erfolg, denn das Vertragswerk bildtete die Grundlage für das Europa von heute. Damals war Münster über fünf Jahre Verhandlungsort für hochrangige Politiker, Geistliche und Diplomaten aus ganz Europa. In der zeitweise teuersten Stadt Deutschlands logierten etwa der päpstliche Nuntius oder der Onkel des Sonnenkönigs, Ludwigs XIV., nebst Gefolge: für beinahe 10.000 Gäste stellte Münster adäquate Quartiere zur Verfügung. War das Verhältnis der Einwohner zu der Zahl der Übernachtungsgäste bei etwa 1:1, so liegt der Wert 2011 bei etwa 1:2; bei ca. 280.000 Einwohnern liegt die Zahl der Übernachtungsgäste bei etwa 560.000, die im Schnitt allerdings nicht mehr für 5 Jahre, sondern für 2 Übernachtungen einchecken.
Kommunikation
"Toleranz durch Dialog", die beiden wuchtigen Bänke aus CorTen-Stahl des baskischen Bildhauers Eduardo Chillida fordern dazu auf, das Gespräch zu suchen, unterschiedliche Standpunkte zu formulieren und im Dialog zu einer Lösung zu finden. Wer den Westfalen als maulfaul und stur zu kennen glaubt, mag es für kühn halten, ausgerechnet diese Arbeit in Münster zu platzieren. Aber der Westfale spricht! Nicht nur Plattdeutsch und nicht nur mit Seinesgleichen, sondern oft genug auch Englisch oder Niederländisch. Besucher aus den nahen Niederlanden sind als Tagesgäste zum Radfahren oder dem Erkunden ihrer eigenen Geschichte unterwegs: Im Friedenssaal des Historischen Rathauses haben sie immerhin ihre Unabhängigkeit erlangt und sind ein souveräner Staat geworden. Deutsch, aber auch Englisch ist bei jüngeren Kommunikationspartnern gefragt: Vor allem die WWU, die Westfälische Wilhelms-Universität, trägt durch die Zahl und die Internationalität der etwa 40.000 Studierenden dazu bei, dass die alte Stadt jung und im Gespräch bleibt.
Kunst
Öffentlicher Raum als Kunstraum: Münster hat sich seit den 1970er Jahren zu einem Freilichtmuseum moderner Skulpturen entwickelt. Im Rahmen der "skulptur.projekte"-Ausstellungen von 1977, 1987, 1997 und 2007 haben so bedeutende Künstler wie George Rickey, Claes Oldenburg, Donald Judd, Ilya Kabakov oder Rosemarie Trockel mit ihren Werken dauerhaft ihre Visitenkarten in Münster abgegeben. Arbeiten, die eigens für ihre Standorte in Münster geschaffen wurden, stehen in spezifischem Bezug zur Stadt und Stadtgeschichte. Aus zunächst umstrittenen Werken sind Wahrzeichen geworden. Ein Spaziergang durch die Stadt führt durch das Who is Who der zeitgenössischen bildenden Kunst. Aber auch im Innenbereich werden unerwartete Schätze präsentiert von den Lithographien im Picassomuseum bis zu asiatischer Lackkunst im Lackmuseum oder den aktuellen Arbeiten junger Künstler in der Kunsthalle am Kreativkai.
Kultfiguren
Ein bisschen schräg sind sie schon, die Münsterschen Kultfiguren. "Ich mag und will jetzt nicht berühmt werden, aber nach hundert Jahren möchte ich gelesen werden!" ist nicht unbedingt eine Äußerung, die man von einer ambitionierten jungen Dichterin erwarten würde. Aber so war sie. Annette von Droste-Hülshoff, das Edelfräulein vom Wasserschloss oder vom Zwanzigmarkschein, melancholisch, verträumt und versponnen, doch im nächsten Moment von scharfem, wachen Verstand und mit spitzer Zunge und Feder. Nicht mit der Feder, sondern mit dem Skateboard hat der Unternehmer Titus Dittmann Berühmtheit erlangt. Inzwischen über 60 ist „Titus“ eine eigene Marke geworden. Als Vater der deutschen Skateboard-Szene etablierte er diese Sportart in Münster und gründete einen Skateboard-Sportgeräte- und Zubehörhandel, der europaweit lange Zeit einzigartig war. 1997 wurde die von ihm ins Leben gerufene alljährliche Skateboard-Turnier in Münster zur offiziellen Skateboard-Weltmeisterschaft erhoben.
Auch nicht gerade stromlinienförmig, und ebenfalls zu Kultstatus gelangt ist Götz Alsmann, das musikalische Energiebündel mit der Elvis-Tolle. Als Gastgeber der Sendung "Zimmer frei" gibt "Götzi-Mausi", wie seine Co-Moderatorin Christine Westermann ihn nennt, seit Jahren Prominenten die Chance, sich um ein WG-Zimmer zu bewerben. Das legendäre Zimmer-Frei-Bilderrätsel hat dabei bereits Bildschirmprofis in verzweifelter Ahnungslosigkeit gezeigt, nur gerettet durch die charmante Hilfestellung der mitleidigen Moderatoren.
Krimi
Kriminell geht es in Münster verstärkt zu, seit zwei Krimiserien Münster als Drehorte entdeckt haben. Seit 1995 ermittelt Privatdetektiv Wilsberg in Münster. Das Antiquariat Solder ist Originaldrehort der ZDF-Krimiserie „Wilsberg“, in dem der schrullige Eigenbrötler, gespielt von Leonard Lansink, einen antiquarischen Buchhandel betreibt und nebenbei detektivisch tätig wird. Zuschauerrekorde bricht allerdings fast regelmäßig der Münster-Tatort. Das Ermittler-Duo, das aus zwei komplett gegensätzlichen Charakteren besteht, Hauptkommissar Thiel (Axel Prahl) und Rechtsmediziner Karl-Friedrich Boerne (Jan-Josef Liefers), kommt nicht nur mit seinen kriminalistischen Fähigkeiten, sondern vor allem mit seinem Wortwitz an. Im realen Leben ist liegt die Verbrechenshäufigkeit in Münster glücklicherweise niedriger. Allein die Zahl der Fahrraddiebstähle verdirbt alle Jahre wieder die Kriminalstatistik.
Kurioses
Das Münsterland ist ein flaches Land. Die Baumberge sind mit knapp 190 Metern die höchste Erhebung des Münsterlandes. Auch Berge sind eben nur relativ hoch. Dafür haben wir aber jede Menge Burgen. Wasserburgen, um genau zu sein. Weil es im Münsterland keine Berge gibt, auf deren Spitze man seine Burg schön geschützt vor feindlichen Angriffen bauen konnte, wurde zu diesem Zweck kurzerhand um die Burg ein Wassergraben gebaut. Das Prinzip hat funktioniert: noch heute gibt es hunderte von Wasserburgen, Wasserschlössern und Gräftenhöfen im Münsterland. Viele davon sind in privater Hand, werden bewirtschaftet und bewohnt. Zur Besichtigung von Gebäuden und Parkanlagen laden Schloss Nordkirchen, Burg Vischering, Burg Hülshoff, Haus Rüschhaus und viele mehr ein. Kurios sind auch andere Betätigungen der Eingeborenen. Münsteraner spielen Speckbrett und sprechen Masematte. Bei Speckbrett liegt die Assoziation kulinarischer Köstlichkeiten nahe, ist hier aber grundfalsch. Speckbrett ist eine Sportart, die vor mehr als 60 Jahren aus einem Spaß entstand: mit echten Holzbrettchen, die eigentlich zum Schneiden von Speck dienten, wurden Tischtennisbälle über ein Tennisnetz geschlagen. Heute wird mit Tennisbällen gespielt und aus den Küchenutensilien sind professionelle Holzschläger geworden. Offiziell gibt es ca. 500 Vereinsspieler, die Dunkelziffer der Hobbyspieler liegt weit darüber. An den jährlich stattfindenden „Offenen Stadtmeisterschaften“ beteiligen sich ca. 300 Spieler. Da die Verbreitung des Speckbrettspiels nur zaghaft über die Grenzen Münsters hinaus gelangt ist, gilt der amtierende Stadtmeister in der Regel auch als Weltmeister. Wer als waschechter Münsteraner gelten möchte, sollte zumindest ein par Brocken Masematte beherrschen. Diese Geheimsprache ist beinahe in Vergessenheit geraten, aber Wesentliches bezeichnet der Münsteraner immer noch mit Masematte-Ausdrücken. Toll heißt jovel, Fahrrad heißt Leeze und Regen heißt Meimel. Fortgeschrittenenkurse gibt es vor Ort.
Kulinarisches
Da sind wir wieder bei den Klischees: Pumpernickel, Kartoffeln, Dicke Bohnen, Knabbeln. Erstaunlicherweise werden die Klischees aber wieder zeitgemäß. Die regionale Küche ist im Kommen. Alte Gemüse und Obstsorten werden nicht nur (wieder) angebaut, es gibt sogar Rezepte, die Pastinake, Stielmus, rote Bete oder die Goldrenette von Berlepsch zeitgemäß und originell zubereiten lassen. Das Bewusstsein für qualitätvolle Lebensmittel, Frische der saisonalen Produkte, kurze Transportwege und nicht zuletzt die Freude am Einkauf beim Erzeuger wird von den Gastronomen genau so ernst genommen wie vom Koch am heimischen Herd. Der Einkauf auf dem Wochenmarkt gehört ganz selbstverständlich zum Münsteraner Alltag. Hier kauft jeder bei "seinem" Käsehändler, Gemüsegärtner oder Kartoffelbauern, dem in der grünen Joppe und den schon legendären Gummistiefeln...
Klima
Das Klima hat sich erwärmt. In Münster regnet es nicht. Nie. Na ja, fast nie!
Kneipen
Münsters Kneipen sind zahlenmäßig schwer zu fassen, es sollen ungefähr zehn mal so viele sein wie Kirchen. Es gibt Eckkneipen, Szenelokale, trendige Lounges und es gibt die Hafenmeile und das Kuhviertel. Die beiden letzteren sind die Ausgehviertel, modern und traditionell. Im Kuhviertel wird bei Pinkus Müller, in der einzigen Brauerei der Stadt noch Altbier gebraut. Ausgeschenkt wird in fast jedem Haus an der Kreuzstraße. Obwohl die Warnung "Cavete" (Hütet euch) deutlich an der Hauswand zu sehen ist, lässt sich niemand abhalten, die "Akademische Bieranstalt" zu betreten und rein akademisch über ein gepflegtes Bier nachzudenken.
Also: das "Cavete!" gilt für die Klischees! Lassen Sie sich vom realen Leben überraschen und überzeugen! Wir freuen uns, Kolleginnen und Kollegen aus ganz Deutschland begrüßen zu dürfen und Ihnen das echte Münster vorzustellen. Herzlich willkommen!
Stefan Brandenberg und
Ihr Gästeführer-Team Münster & Münsterland e. V.
