Berufsbild "Gästeführer" –
Fragen an die tourismuspolitischen Sprecher der im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien
Seit zwei Jahren ist der BVGD Mitglied oder Fördermitglied in den großen touristischen Verbänden und sucht das Gespräch mit den Anbietern und Veranstaltern auf breiter Ebene. Künftig sollen die beruflichen Interessen und Belange der Gästeführer verstärkt auch auf politischer Ebene bekannt gemacht werden. CICERONE initiierte dafür erste Gespräche mit den tourismuspolitischen Sprechern der im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien. CDU/CSU, SPD und Bündnis 90/DIE GRÜNEN haben zum Meinungsaustausch eingeladen.
Alle Gesprächspartner sind Mitglied im Ausschuss für Tourismus im Deutschen Bundestag. Anders als in einigen anderen Staaten gibt es in der Bundesrepublik Deutschland kein Tourismusministerium. Die Folge: Es existiert weder eine für den gesamtdeutschen Tourismus zuständige Behörde, noch verabschiedet der Bundestag bundesweit greifende Tourismusgesetze. Daher stehen die Rahmenbedingungen für diesen Sektor und das Reiseland Deutschland ganz oben auf der Agenda das Ausschusses für Tourismus.
Erklärtes tourismuspolitisches Ziel des Wirtschaftsressorts ist es, die unternehmerische Eigenverantwortung zu stärken und die Rahmenbedingungen für die Tourismusbranche so zu verbessern, dass sie im internationalen Wettbewerb bestehen kann. Am Meinungsaustausch mit dem Ausschuss für Tourismus beteiligen sich die Kernbereiche wie Gastgewerbe, große und kleine Reiseveranstalter, Reisebüros und Reisevermittler, Fluggesellschaften, Bus- und Bahnunternehmen, Sport- und Freizeitparks, aber auch die Automobilindustrie, die Fahrrad- und Bootsbranche, die Sportbekleidungs- und Sportgeräteindustrie oder Anbieter von Gesundheitsleistungen, die vom Tourismus profitieren.
Gästeführer waren bislang kein explizites Thema im Ausschuss und wurden in ihrer spezifischen beruflichen Aufgabe noch wenig wahrgenommen, wie alle Gesprächsteilnehmer gegenüber dem BVGD bestätigten. Doch daran lässt sich ja intensiv arbeiten! Die Interviews stellten die persönlichen Kontakte her und sollen einen dauerhaften Meinungsaustausch einleiten.
"Chancen für den ländlichen Raum": Marlene Mortler - CDU / CSU
CICERONE: Frau Mortler, der BVGD ist sehr froh, in direkten Kontakt mit den tourismuspolitischen Sprechern der im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien zu kommen. Vielen Dank für Ihre Zeit - insbesondere, da Sie sich in diesen Tagen mit den Debatten über den Euro-Rettungsschirm zu befassen haben! Eine persönliche Frage vorweg: Haben Sie schon Erfahrungen mit Gästeführungen gemacht, vielleicht hier in Berlin?
Marlene Mortler: Ja, von Anfang an, seit ich 2002 nach Berlin kam. Ich schätze es sehr, dass wir hier Gästeführer haben, die derart kompetent sind. Nahezu alle Gästeführer in Berlin entsprechen meinen Vorstellungen. Dies betrifft in erster Linie diejenigen, die Gruppen des Bundespresseamtes begleiten.
CICERONE: Der innerdeutsche Tourismus ist seit Jahren ein beständiger Wachstumsmarkt. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung und welche Schwerpunkte setzten Sie im Tourismusausschuss?
Marlene Mortler: Erstens haben wir uns im Koalitionsvertrag Schwerpunkte gegeben. Das betrifft vor allem das Tourismusprojekt „ländlicher Raum“. Dazu gab es Mitte Oktober 2011 eine Anhörung. Der Städtetourismus boomt ja seit einigen Jahren und die Wachstumszahlen sind gewaltig. Uns geht es nun darum, das Gleichgewicht zwischen Stadt und Land zu halten. Dafür zu sorgen, dass der ländliche Raum den Anschluss nicht verliert, ist für uns ein Dauerthema. Zweitens haben wir das Thema „Barrierefreies Reisen“. Wir möchten die Bedingungen grundsätzlich verbessern, also nicht nur für Rollstuhlfahrer, sondern auch für vorübergehend behinderte Menschen und ganz allgemein für alle Reisenden, die schlechtere Bedingungen haben, als gesunde Reisende. Da ich als Kind selbst behindert war, ist mir dieser Punkt ein ganz wichtiges Anliegen. Alle touristischen Anbieter müssen für die „barrierefreie Brille“ sensibilisiert werden. 2012 planen wir daher beispielsweise eine öffentliche Anhörung zum Thema. Neben diesen Schwerpunkten blicken wir aber auch weit nach vorne, Stichworte sind zum Beispiel das Reformationsjubiläum 2017 und die UNESCO-Weltkulturerbestätten.
CICERONE: Gerade das Thema „barrierefreies Reisen“ und „Führungen für Menschen mit besonderen Bedürfnissen“ sind wesentliche Themen der Gästeführerausbildung DIN EN nach den Richtlinien des BVGD. Auch der ländliche Tourismus ist im BVGD Thema, denn Gästeführer aus ländlichen Regionen und kleinen Städten sind nahezu flächendeckend in Deutschland in Vereinen organisiert und Mitglied im BVGD. Wird denn das Angebot der Gästeführer in den tourismuspolitischen Gremien wahrgenommen?
Marlene Mortler: Tatsächlich war die Wahrnehmung der Gästeführer bisher in Berlin weder ausgeprägt noch wirklich existent. Im Tourismusausschuss haben wir uns noch nie explizit über Gästeführer unterhalten. Dennoch sehe ich es gerade für den ländlichen Raum als Chance, wenn wir dort Gästeführer haben, die als solche auch wirklich wahrgenommen werden. Dabei stellt sich die Frage, ob und wieweit der Gästeführer hoch qualifiziert sein muss und welche Rolle die Persönlichkeit des Gästeführers dabei spielt. Wichtig ist, dass die Menschen sich durch die Führung angesprochen fühlen. Ich komme selbst aus dem ländlichen Raum und weiß den Einsatz der örtlichen Gästeführerinnen und Gästeführer dort sehr zu schätzen. Ich würde mir eine stärkere Wahrnehmung dieses Angebots schon wünschen. In dieser Frage sind auch die Landkreise gefragt, die den Gästen die Angebote der Gästeführer stärker vermitteln können. Da sehe ich noch ein Defizit.
CICERONE: Dem BVGD geht es ja gerade darum, das breite Angebot der Gästeführung nicht nur bei Reiseveranstaltern, sondern auch bei Privatpersonen bekannt zu machen. Dabei ist uns die Zusammenarbeit mit Gemeinden und Kommunen sehr wichtig. Dazu kommt die Vertrauensbildung über ein Gütesiegel, nämlich die Gästeführerausbildung DIN EN. Der Ausweis „BVGD-Zertifikat DIN EN“ soll dem Gast zeigen, dass er einem qualifizierten Gästeführer gegenüber steht. Wie sinnvoll schätzen Sie diese Qualifizierung nach EU-Norm ein?
Marlene Mortler: Dieses Gütesiegel kann durchaus ein geeigneter Weg sein. Persönlich kann ich mir jedoch nicht vorstellen, dass derzeit in Deutschland seitens der Politik jemand auf die Idee käme, die Gästeführerausbildung und den Beruf des Gästeführers stärker zu regulieren. Ich bin ein Mensch der sagt, Regulierung ausschließlich dort, wo wir sie dringend brauchen, Beispiel Finanzmarkt. Aber nicht automatisch und überall. Ein Reiseveranstalter macht seine Entscheidung über den Einsatz eines professionellen Gästeführers sicherlich abhängig von der Zielgruppe die er gerade bedient, also von der Frage, wie viel Information wünscht eine Reisegruppe?
CICERONE: Aber sowohl die Tourismuseinrichtungen vor Ort als auch die Gästeführer selbst bemühen sich, das gesamte Spektrum an Gästen und Gruppen abzudecken, also die unterschiedlichen inhaltlichen, fachlichen und organisatorischen Interessen und Ansprüche. Dabei war es für Gästeführer lange Zeit ein Problem, ihre eigene Leistung im großen Sektor Tourismus einzuordnen. Der BVGD versucht nun über das Angebot einer Berufshaftpflichtversicherung und einer umfassenden Ausbildung den Beruf des Gästeführers zu bewerben.
Marlene Mortler: Ob die Werbung mit einem Gütesiegel fruchtet, hängt aber dennoch stets von der konkreten Situation vor Ort ab. In machen Orten, wie in meiner Heimat, gibt es zum Beispiel einen Kreisheimatpfleger, der ein bestimmtes Potential abdeckt und gar nicht als Gästeführer gilt.
CICERONE: Auf kommunaler Ebene werden die Gästeführer durchaus stark wahrgenommen. Macht es denn Ihrer Meinung nach Sinn, dass die Gästeführer den Kontakt auch mit der Politik auf Bundesebene pflegen?
Marlene Mortler: Wenn es einen „Bundesverband der Gästeführer“ gibt, dann machen die Kontakte auf Bundesebene auch allemal Sinn. Denn man wird ja überhaupt nur wahrgenommen, wenn man auf Bundesebene organisiert ist und sich dann dort auch bemerkbar macht. Dies kann durch Einzelgespräche stattfinden oder durch eine zentrale Informationsveranstaltung wie einem parlamentarischen Abend oder ein parlamentarisches Frühstück. Aber nochmals zurück zu Ihrer Feststellung, dass die Gästeführer auf der kommunalen Ebene stark wahrgenommen werden. Was meinen Sie damit konkret?
CICERONE: Viele Tourismuseinrichtungen betrachten den BVGD inzwischen als Partner und wünschen einen Zusammenschluss ihrer Gästeführer in einem Verein. Die Anstrengungen der örtlichen Vereine und des BVGD um Qualität und Professionalität werden heute von den touristischen Partnern besser wahrgenommen. Viele Tourismuseinrichtungen wünschen eine Berufshaftpflichtversicherung für Gästeführer und ein professionelles unternehmerisches Auftreten.
Marlene Mortler: Stimmt. Politisch Verantwortliche, denen die Optimierung des örtlichen Tourismus ein Anliegen ist, sind sicherlich um eine klare Regelung des Einsatzes von Gästeführern bemüht. Aber Frage zurück: Wie steht es denn um die Anerkennung Ihres Gütesiegels bei internationalen Anbietern und Verbänden? Welche Haltung nimmt etwa der RDA ein?
CICERONE: Das Gütesiegel „Gästeführerausbildung DIN EN“ soll langfristig deutschen Reiseveranstaltern, aber insbesondere auch Veranstaltern im Ausland als verlässliches Kriterium dienen. Seit zwei Jahren ist der BVGD Mitglied oder Fördermitglied in den großen touristischen Verbänden DTV, DZT und RDA. Gerade gegenüber Gesprächspartnern der großen Veranstalter betont der BVGD das unterschiedliche Berufsprofil des Gästeführers im Vergleich zum Reiseleiter. Das Potential der Gästeführer bei den internationalen Anbietern und den Fachverbänden stärker bekannt zu machen und zu verankern ist unsere dringende Aufgabe.
Marlene Mortler: Wahrgenommen zu werden ist sicherlich ein erster Schritt, führt jedoch nicht zwingend zu einer Buchung. Denn für den Veranstalter steckt ja stets die Kalkulation der Reise dahinter, sprich es geht um die Kosten für den Einsatz eines Gästeführers zusätzlich zu einem ortskundigen Reiseleiter. Sie müssen also, um Erfolg zu haben, sehr intensiv an Ihrem Angebot arbeiten und dafür werben. Reiseveranstalter und Gäste wollen überzeugt sein.
CICERONE: Genau darum geht es dem BVGD. Frau Mortler, vielen Dank für das Gespräch.
Marlene Mortler, Tourismuspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion
Georg Reichlmayr, Redaktion CICERONE,
reichlmayr@bvgd.org
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Marlene Mortler – Tourismuspolitische Sprecherin der CDU / CSU-FraktionSeit 1990 Kreisrätin im Nürnberger Land; 1996 bis 2004 erste Stellvertretende Landrätin; seit 1992 Bezirksbäuerin von Mittelfranken; stellvertretende Landesbäuerin und Präsidiumsmitglied des Bayerischen Bauernverbandes; seit Juni 2009 stellvertretende Vorsitzende des CSU Bezirksverbands Mittelfranken; seit Oktober 2011 Mitglied im CSU-Parteivorstand; Mitglied des Bundestages seit 2002; 2004/2006 agrar- und verbraucherpolitische Sprecherin der CSU-Landesgruppe; seit 2009 tourismuspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion; 2006/2009 Vorsitzende des Ausschusses für Tourismus. |
"Standards setzen und auf deren Einhaltung achten": Hans-Joachim Hacker - SPD
Hans-Joachim Hacker im Gespräch mit Dr. Wolther von Kieseritzky (BVGD)
CICERONE: Sehr geehrter Herr Hacker, der deutsche Incoming-Tourismus wächst seit Jahren beständig. Wie beurteilt die sozialdemokratische Fraktion diese Entwicklung und wo setzen Sie besondere Schwerpunkte in der Tourismuspolitik?
Hans-Joachim Hacker: Die Bewertung, dass wir in Deutschland eine enorm positive Entwicklung beim Incoming-Tourismus haben, ist Gegenstand aller Tagungen und Seminare. Auslöser waren zum Beispiel der 20. Jahrestag der friedlichen Revolution und des Mauerfalls und zuvor die Fußballweltmeisterschaft 2006, die ein sehr positives Deutschlandbild in die Welt getragen hat. Zu den Rahmenbedingungen zählen Servicequalität und Preisleistungsverhältnis, das in Deutschland meiner Meinung nach sehr in Ordnung ist. Ich denke, entscheidend für uns in der Politik ist, dass wir diejenigen unterstützen, die Deutschlandwerbung im Ausland machen. Da ist an erster Stelle die Deutsche Zentrale für Tourismus zu nennen, die weltweit zwischen Tokio und Washington sehr erfolgreich für uns als Tourismusstandort wirbt. Die DZT müssen wir entsprechend ausstatten. Die Deutsche Welle, den „Deutschlandsender“ für das Ausland, genauso. Ansonsten, denke ich, ist entscheidend, dass die Branche selbst die Kriterien setzt und sichert.
CICERONE: Bei der Fußballweltmeisterschaft hat der BVGD zum Beispiel eng mit der DZT zusammengearbeitet. Aber wie wird denn die Tätigkeit des Gästeführers in den tourismuspolitischen Diskussionen überhaupt wahrgenommen?
Hans-Joachim Hacker: Das Thema Gästeführer war nicht so groß in den Beratungen des Tourismusausschusses der letzten Jahre. Ich bin auf die Thematik aufmerksam geworden, als mich der Deutsche ReiseVerband angesprochen hatte und berichtete, dass Reiseleiter im Ausland „diskriminiert“ werden. Auf EU-Ebene soll die Reiseleiterrichtlinie überarbeitet werden. Ich will das nochmal runterbrechen auf Ihre Situation: Wir haben hier einen unregulierten Markt, wir haben die Unterscheidung zwischen Gästeführer und Reiseleiter. Reiseleiter kann in Deutschland jeder werden, ohne besondere Qualifikation, und es stellt sich für mich die Frage, ob aus Ihrer Branche heraus die Forderung gestellt wird, dass man hier einen Qualitätsstandard entwickeln sollte. Ich glaube aber, das richtet sich zuallererst an die Branche selbst und an den Verband, nicht so sehr an Politiker.
CICERONE: Die EU hat in der 2003 verabschiedeten Norm zur Definition der touristischen Begriffe den Unterschied zwischen Reiseleiter / Tour Manager und Gästeführer / Tourist Guide sehr genau bestimmt. Während in vielen Ländern die beruflichen Tätigkeitsfelder sehr genau unterschieden werden, wird in Deutschland die Differenz verwischt. Seit 2008 gibt es europaweit die Qualifikationsnorm EN 15565, welche die fachlichen und methodisch-didaktischen Mindestanforderungen an die Ausbildung von Gästeführern beschreibt. Wie sinnvoll schätzen Sie einen solchen Standard ein?
Hans-Joachim Hacker: Ich komme aus Schwerin, und wenn ich abends unterwegs bin sehe ich oft Gästeführer, die Reisegruppen durch Schwerin führen. Da sind schon sehr qualifizierte Leute dabei, die ich zum Teil auch persönlich kenne. Aber ich habe mir auch oft die Frage gestellt: sind alle Gästeführer wirklich so qualifiziert, dass sie das rüberbringen, was man über Schwerin im Kulturellen und im Historischen sagen kann?
CICERONE: Diesen Qualitätsstandard haben wir als Dachverband für Gästeführer schon entwickelt. Der BVGD war an der europäischen Arbeitsgruppe beteiligt, der den Standard in mehreren Verhandlungsrunden erreicht hat. Anschließend haben wir diesen Mindeststandard in der Bundesrepublik umgesetzt. Das Qualifikationssystem DIN EN 15565 ist zertifiziert. Dieser Standard sollte generell als Grundlage für die Qualität von Gästeführern anerkannt werden.
Hans-Joachim Hacker: Beim Studienreiseleiter würde ich davon ausgehen, dass der Reiseveranstalter der Reisegruppe eine Person als Reiseleiter präsentiert, die Ahnung hat, die durch wissenschaftliche und andere Vorbildung in der Lage ist, eine Reisegruppe durch eine historische Stätte zu führen. Ansonsten würde ja der Anspruch einer Studienreiseleitung nicht erfüllt sein. Anders, wenn der Reiseleiter die Funktion des Gästeführers vor Ort erfüllen soll und dazu gar nicht in der Lage ist. Da würde ich als Verbraucher erwarten, dass ein Reiseveranstalter dann auch die Kontakte vor Ort knüpft, um eine qualifizierte Führung anbieten zu können, wenn er die im Prospekt hat.
CICERONE: Das entspricht aus unserer Sicht den unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern von Reiseleiter und ortsspezifisch qualifiziertem Gästeführer.
Ist aus Ihrer Sicht der Qualitätsstandard für Gästeführer, die DIN EN 15565, ein sinnvolles Instrument für Veranstalter und Verbraucher?
Hans-Joachim Hacker: Auf dieser Grundlage ja, das würde ich auf jeden Fall befürworten. Das ist ein Kompliment gegenüber dem BVGD, dass Sie das selbst in die Hand genommen haben und nicht darauf gewartet haben, dass die Bundesregierung oder eine andere Institution tätig wird. Es ist ja nur zu befürworten, dass Verbände selbst Standards setzen und dann auf deren Einhaltung achten.
CICERONE: Dafür brauchen wir die Unterstützung der Politik. Mit der EU-Regelung der Möglichkeit grenzüberschreitend erbrachter Dienstleistungen stellt sich die Frage, wer das Vorliegen der dafür notwendigen beruflichen Qualifikationen (Ausbildung, zweijährige Arbeitstätigkeit u.a.) bestätigt. Welche Institutionen sollten dies in Deutschland tun?
Hans-Joachim Hacker: Die EU überlegt ja, dass ein europäischer Berufsausweis geschaffen wird, der die Qualifizierung nachweist und mit dem man das Erfordernis einer zweijährigen Berufstätigkeit praktisch dokumentieren kann. Ich glaube nicht, dass das ein staatlicher Ausweis sein muss. Da wäre eher ein qualifizierter Verband aus der Branche anzusprechen, der auf dem Gebiet Erfahrung hat und der in der Vergangenheit auch schon solche Qualifizierungstests und -maßnahmen durchgeführt hat.
CICERONE: Die EU-Überlegungen haben in manchen Berufen zu leichten Irritationen geführt, weil diese Berufe sich selbst gar nicht als besonders „mobile“, länderüberschreitende Tätigkeiten verstehen. Der Gästeführer ist zum Beispiel – anders als der Reiseleiter – ein besonders regional qualifizierter Beruf, der an jedem Ort der Ausübung die spezifische dortige Qualifikation voraussetzt. Berücksichtigt man dies in der Diskussion ausreichend?
Hans-Joachim Hacker: Wir sind in der Arbeitsgruppe auf die Frage gekommen, wie hier die Abgrenzung aussieht. Wir haben dazu gerade eine Frage an die Bundesregierung gestellt: Welche Auswirkungen erwartet die Bundesregierung für Gästeführerinnen und Gästeführer in Deutschland, sollte zu der geplanten EU-Berufsanerkennungsrichtlinie die Einführung eines Berufsausweises für Reiseleiterinnen und Reiseleiter sowie die Abschaffung der derzeitigen Nachweispflicht zwei Berufsjahre usw. erfolgen, und inwieweit steht die Bundesregierung zum Austausch mit dem Bundesverband der Deutschen Gästeführer bereit. Darauf die Antwort der Bundesregierung vom 26. Oktober: „Für die Tätigkeit von Reiseleitern und Gästeführern in Deutschland erwarten wir keine Auswirkungen, denn dieser Beruf ist in Deutschland nicht reglementiert, er kann ohne Anerkennungsverfahren praktiziert werden, daher muss in Deutschland ohnehin weder ein Berufsausweis beigebracht noch eine zweijährige Berufserfahrung nachgewiesen werden.“ Das ist eigentlich unbefriedigend - nicht wahr?
CICERONE: Das geht am Wesentlichen vorbei, da stimmen wir Ihnen zu.
Hans-Joachim Hacker: Die Regierung hat nicht aufgenommen, dass auf der europäischen Ebene im Moment über die Einführung eines solchen Berufsausweises diskutiert wird. Ich habe in der Vergangenheit den Eindruck gewonnen, dass vor dem Hintergrund der spezifischen deutschen Interessenlage ein solcher Berufsausweis von der Branche wohlwollend zur Kenntnis genommen wird, insbesondere wegen der Spezifik der fachlichen Reiseleitungen, die aus Deutschland erfolgen, aber die Differenzierung zwischen Reiseleitern und Gästeführern wird nicht beantwortet. Darauf ist die Bundesregierung in ihrer Antwort überhaupt nicht eingegangen.
CICERONE: Dies ist entscheidend. Befürwortet wird der Berufsausweis nur in dem Teil der Branche, der die von der EU definierten Unterschiede zwischen Reiseleiter und Gästeführer ignorieren möchte. Wenn deren berufliche Tätigkeit nicht mehr differenziert wird, hätte dies erhebliche Auswirkungen auch bei uns in Deutschland, weil damit die regionalspezifische Qualifikation der Gästeführer nicht mehr als besondere Leistung wahrgenommen würde. Der Erfolg touristischer Destinationen hängt ganz wesentlich davon ab, dass Stadt, Region oder Landschaft qualifiziert vermittelt werden, damit der Gast wiederkommt.
Hans-Joachim Hacker: Also Sie sehen den Berufsausweis kritisch?
CICERONE: Ja, sofern nicht deutlich zwischen der Tätigkeit des Gästeführers und des Reiseleiters unterschieden wird.
Hans-Joachim Hacker: Die Gästeführer haben ja jetzt schon das Problem, dass ein italienischer Reiseleiter eine Führung durch den Erfurter Dom machen kann, ohne dass er Ahnung davon hat.
CICERONE: Deshalb existiert auch in Deutschland die europäische Qualitätsnorm. In fast jeder touristischen Destination gibt es ein Angebot qualifizierter Gästeführer, in über 40 Städten und Regionen sind Gästeführer nach DIN EN 15565 zertifiziert. Der Gast kann, wenn er will, Qualität verlangen.
Hans-Joachim Hacker: Ich habe in den vergangenen Jahren an zwei Stadtführungen teilgenommen, die eine war durch Erfurt, die andere durch die Altstadt von Lübeck, und beide zeichneten sich durch einen hohen Standard aus.
CICERONE: Das beruhigt mich sehr. Eine Qualitätsnorm hat mehrere Aspekte – das eine ist, den eigenen Ausbildungsstandard sichtbar zu dokumentieren, ein weiteres, sich in seinem Beruf beständig fort- und weiterzubilden. Auch deshalb sehen wir die Regelung der Berufsqualifikation auf EU-Ebene kritisch, weil diese Kriterien dabei gar nicht berücksichtigt werden.
Hans-Joachim Hacker: Die Besonderheiten, die sich für deutsche Gästeführer ergeben, wenn ein Reiseleiter aus einem anderen Land kommt und Führungen macht, obwohl er hat nicht über die notwendige Qualifikation verfügt, die sehe ich jetzt erst so richtig deutlich. Für mich stellt sich jetzt die Frage: Erwarten Sie, dass bei der Diskussion um den Reiseleiter auf EU-Ebene die Problematik des Gästeführers noch einmal stärker beleuchtet wird?
CICERONE: Ein entscheidender Schritt wäre es, wenn auch bei den gegenwärtigen Diskussionen die von der EU selbst gesetzten Standards über die unterschiedliche Tätigkeit von Reiseleiter und Gästeführer ernst genommen würden. Grenzüberschreitende berufliche Tätigkeit von Gästeführern ist ohne weiteres möglich, sofern in dem jeweiligen anderen Gebiet die örtliche Qualifikation erworben wurde. Meine letzte Frage bewegt sich von der EU-Ebene weg: Häufig betonen Vertreter der Landes- oder Kommunalpolitik bei regionalen oder überregionalen Gästeführertreffen die Bedeutung der Gästeführer für den örtlichen Tourismus. Dennoch gestaltet sich der Austausch mit Vertretern der Politik oft schwierig. An welchen Stellen sollten die Gästeführer ihre berufspolitischen Ziele vortragen? Welche Möglichkeiten sehen Sie?
Hans-Joachim Hacker: Ich sage das mal ganz offen: Diese spezifische Diskussion, die wir hier geführt haben, hat in der Vergangenheit im Tourismusausschuss keine Beachtung gefunden. Wir diskutieren die Fragen eigentlich immer ein Stück an der Oberfläche und sagen, die deutsche Tourismuswirtschaft muss sich darauf einstellen, dass im Wettbewerb auch Qualität zählt, damit gute Ausbildung, gute Arbeitsbedingungen, auch gute Entlohnung herrschen – da schauen wir insbesondere in den Bereich Gaststätten und Hotellerie. Da sind Sie gut beraten, wenn Sie den Kontakt zu den Fraktionen nutzen, und man könnte überlegen, ob man nicht im nächsten Jahr zu diesem Thema im Tourismusausschuss ein Gespräch durchführt. Zu den Markenzeichen Deutschlands zählt Qualität. Und Qualität muss über Qualifizierung vorbereitet werden. Sie leisten mit Ihrer Arbeit einen wichtigen Beitrag dafür. Ich würde Ihnen gern anbieten, dass ich in der nächsten Obleute-Runde das Thema anspreche und dafür werbe, dass wir Ihnen im nächsten Jahr einen Termin einräumen, bei dem wir mal in einer Dreiviertelstunde im Tourismusausschuss diese Fragen besprechen. Auch wenn wir nicht zu einer Regulierung in Deutschland kommen, wäre es wichtig, direkt zu erfahren, was Ihr Verband macht. Ich sehe die Differenzierung zwischen Gästeführern, die Sie vertreten, und Reiseleitern, jetzt aus einem besserem Blickwinkel. Das muss uns interessieren, deswegen müssen wir mit Ihnen im Gespräch bleiben.
CICERONE: Herr Hans-Joachim Hacker, ich danke Ihnen herzlich für Ihre Bereitschaft und das Gespräch.
Hans-Joachim Hans-Joachim Hacker, Tourismuspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion
Dr. Wolther von Kieseritzky, Stellvertretender Vorsitzender des BVGD,
kieseritzky@bvgd.org
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Hans-Joachim Hacker – Tourismuspolitischer Sprecher der SPD-FraktionSeit Oktober 1989 Mitglied der SDP (später SPD), Vorsitzender des Ortsvereins Schwerin vom November 1989 bis Januar 1990, Januar bis Februar 1990 Vorsitzender des Kreisvorstandes Schwerin, Februar bis Mai 1990 Vorsitzender des Bezirksvorstandes der SPD Schwerin. Mitglied der Volkskammer vom 18. März bis 2. Oktober 1990, Vorsitzender des Rechtsausschusses. Mitglied des Bundestages seit 3. Oktober 1990; Oktober 2002 bis Oktober 2005 stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion. |
"Reiseveranstalter, die auf Gästeführer setzen, werden sich durch ihre Qualität durchsetzen":
Markus Tressel - BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN
CICERONE: CICERONE: Herr Tressel, haben Sie Berlin und seine Geschichte schon einmal auf einer Führung mit einem qualifizierten Gästeführer erlebt?
Markus Tressel: Ja, schon vor meiner Arbeit im Bundestag habe ich auf der einen oder anderen Berlinreise auf die Dienste von Gästeführern zurückgegriffen. Richtig gut kann man eine so vielfältige
Stadt wie Berlin abseits der ausgetreten Pfade nur mit einem ortskundigen Führer erleben. Deshalb weiß ich die Dienste von Gästeführern sehr zu schätzen.
CICERONE: Der deutsche Incoming-Tourismus ist seit Jahren ein beständiger Wachstumsmarkt. Wie beurteilen BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN diese Entwicklung und welche Schwerpunkte setzten Sie dabei im Fachbereich Tourismus?
Markus Tressel: Nicht nur der deutsche Incoming-Tourismus wächst. Auch der Inlandstourismus wächst. Für beides gilt es, die Destinationen zukunftsfest zu machen. Das heißt: Regionen müssen den Tourismus nutzen, um ihre ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Potenziale zu stärken, nicht zu schwächen. Regionen müssen ihre eigenen Potenziale erkennen und nicht andere importieren. Der grüne Ansatz ist es, Wirtschaftskreisläufe zu schließen. Das beispielsweise verkürzt Lieferketten, führt zu einer besseren sozialen Vernetzung und hält die Kaufkraft in der Region. So bleibt auch das von Touristen „mitgebrachte“ Geld in der Region und leistet einen Beitrag für die Region. Wir setzen auf Qualität und nicht nur auf Quantität.
CICERONE: Als „Spezialisten vor Ort“ vermitteln die Gästeführer die Kunst und Kultur Ihrer Städte und Regionen. Doch Gästeführungen sind ein stark umkämpfter und nicht regulierter Markt – zumindest in Deutschland. Wie wird denn die Tätigkeit der Gästeführer in den tourismuspolitischen Diskussionen wahrgenommen?
Markus Tressel: Ganz richtig! Gästeführer leisten einen wertvollen Beitrag für die heimische Region. Sie können mit Ihrem Knowhow einen Beitrag leisten, die oben genannten Potenziale zu entdecken, zu identifizieren, zu vermarkten und natürlich auch zu verstärken. Denn die in der Region befindlichen Potenziale – man spricht hier von endogenen Potenzialen – sind häufig in der jeweiligen Kultur der Region begründet. Gästeführer sind wichtige Multiplikatoren für die Region, sie repräsentieren quasi die Region. Ein eloquenter, sympathischer Auftritt eines Gästeführers kann damit zugleich Lust auf mehr machen. Das ist in der Summe auch sehr wichtig für das Reiseland Deutschland! In der Tourismuspolitik im deutschen Bundestag kommen die Diskussionen über Gästeführer allerdings kaum vor, das liegt aber auch an der föderalen Struktur und der Zuständigkeit der Länder in den meisten Tourismusfeldern. Was wir Grüne jüngst gemacht haben: Wir haben uns nach den Arbeits- und Ausbildungsbedingungen in der Tourismuswirtschaft erkundigt, wollten damit die Bundesregierung auf die oftmals prekären Arbeitsverhältnisse in der Branche hinweisen. Ihr Interesse daran scheint nicht besonders ausgeprägt.
CICERONE: Der BVGD bemüht sich seit Jahren, die berufliche Anerkennung der qualifizierten Gästeführer durch nachweisbare Ausbildungskriterien zu stärken. Mit der Entwicklung der Qualifikationsnorm EN 15565 für Gästeführer/Tourist Guides existiert auf europäischer Ebene seit 2008 ein derartiges Kriterium – hierzulande umgesetzt als DIN Standard. Der darauf basierende Ausweis „BVGD-Zertifikat DIN EN“ zeigt dem Gast, dass er einem qualifizierten Gästeführer gegenüber steht. Wie sinnvoll schätzen Sie eine Qualifizierung nach EU-Norm ein?
Markus Tressel: Die Kompetenz der EU ist durch den Vertrag von Lissabon gestiegen. Neben den Ländern wird die Tourismuspolitik also vor allem dort gemacht. Eine EU-Norm ist gemessen an der Tatsache, dass man auch ein zusammen wachsendes Europa hat und alte, an Landkarten gezogene Grenzverläufe zunehmend in den Hintergrund rücken, grenzenloses Reisen also möglich ist und von der Europäischen Kommission auch die EU als gemeinsame Destination gestärkt werden soll, durchaus sinnvoll. Wichtig ist allerdings, dass dabei die spezifischen Kriterien nicht verloren gehen. Der regionale Bezug muss stets mit einer gewissen Flexibilität erhalten bleiben.
CICERONE: In Deutschland ist die Tätigkeit des Gästeführers eine nicht staatlich regulierte berufliche Tätigkeit – anders als in vielen Nachbarländern. Wie schätzen Sie die künftige Entwicklung der beruflichen Voraussetzungen für Gästeführer/Tourist Guides in Europa ein? Kann die EU-Norm EN 15565 Standard werden auch für Reiseveranstalter?
Markus Tressel: Was Regularien betrifft, muss beachtet werden, dass sie nicht immer zu dem gewünschten Erfolg führen müssen. Die in der Norm DIN EN 15565 enthaltenen Kriterien dürfen nicht außer Acht lassen, dass Reisende völlig unterschiedliche Ansprüche haben. Eine 21-jährige Clubtouristin in Berlin hat sicher ein anderes Interesse an einer Reiseführung als ein 65-jähriger Hobbyornithologe im Wattenmeer. Kriterien können zu einer Standardisierung führen, die gleichzeitig einen Verlust an Qualität für Zielgruppen bedeutet. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass junge, kreative und eloquente Menschen, die auf einige Zielgruppen sehr gut wirken, von ihrem Engagement abgehalten werden, obwohl sie ganz tolle Gästeführer wären. Qualität wird sich durchsetzen. Reiseveranstalter wären töricht, wenn sie sich nicht an Qualität orientieren würden. Deshalb werden sich Gästeführer auch behaupten!
CICERONE: Im 2003 abgeschlossenen Normierungsverfahren EN 13809:2003 wurden die Begriffe Gästeführer/Tourist Guide und Reiseleiter/Tour Manager sowie die jeweiligen Aufgabenfelder definiert und das unterschiedliche Profil dieser beiden Berufe ganz klar herausgearbeitet: Der Reiseleiter ist Ansprechpartner für organisatorische Fragen der Reise und zuständig für Hintergrundinformationen, nicht aber für spezifische regionale Führungen, denn dazu bedarf es der entsprechenden Qualifikation als Gästeführer/Tourist Guide. Diese qualitative Unterscheidung lässt sich in der Praxis durch den Gast nur schwer kontrollieren; insbesondere die großen Reiseveranstalter sind bestrebt, Reiseleiter/Tour Manager auch mit den jeweiligen örtlichen Führungen zu beauftragen, besonders in den regulierten Staaten, z.B. Italien oder Spanien. Wie ist die Haltung von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in dieser Frage?
Markus Tressel: Ein guter Gästeführer ist sicher ein guter Reiseleiter, ein guter Reiseleiter aber nicht zwangsläufig ein guter Gästeführer. Reiseveranstalter, die auf Gästeführer setzen, werden sich durch ihre Qualität durchsetzen. Auch die Reisenden werden sich einen ihren Interessen entsprechendes Angebot suchen.
CICERONE: Die Europäische Kommission überprüft derzeit die Umsetzung und Wirkung der Richtlinie 2005/36 über die Anerkennung von Berufsqualifikationen innerhalb der EU. Nun gehört der Gästeführer/Tourist Guide zwar nicht zu den mobilen Berufen, die gelegentlich auch grenzüberschreitend ausgeübt werden, da seine Tätigkeit immer die örtliche Qualifikation für eine spezifische Stadt, Landschaft oder Region voraussetzt. Doch bezogen auf die Regelungsanforderungen in der EU-Richtlinie: Welche Kriterien sollten für die Anerkennung der Berufsqualifikation von Tourist Guides gelten – reicht die Orientierung am Mindeststandard der Qualifikationsnorm EN 15565? Welche Institutionen sollten in Deutschland die Anerkennung bestätigen dürfen?
Markus Tressel: Ich muss Ihnen widersprechen. Ich denke, Gästeführer können sehr wohl grenzüberschreitend tätig sein. Ich komme aus dem Saarland. Wir leben in der Großregion den europäischen Gedanken vor. Gästeführer, die sich diesem dynamischen Prozess der Geschichte über das Zusammenwachsen vom Saarland, mit Rheinland-Pfalz, Luxemburg, dem Elsaß etc. verschließen, werden bei aller Qualifikation mit regionaler Identität zum trotz, sich nicht durchsetzen können. Normen sollten daher – wie eingangs bereits betont – immer mit regionaler Flexibilität ausgestattet sein. Dementsprechend kämen auch nur sehr dezentrale Institutionen in Frage, beispielsweise die Landräte oder Tourismusinformationen vor Ort.
CICERONE: Häufig betonen Vertreter der Landes- oder Kommunalpolitik bei regionalen oder überregionalen Gästeführertreffen die Bedeutung der Gästeführer für den örtlichen Tourismus. Dennoch gestaltet sich der Austausch mit Vertretern der Politik oft schwierig. Welche Möglichkeiten sehen BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN für die Gästeführer, um für ihre berufspolitischen Ziele besser zu werben?
Markus Tressel: Wir leben in einer Demokratie. Jeder Mensch hat die Möglichkeit, sich politisch einzubringen und seine Interessen zu formulieren. Das sollte er auch tun. Für die Kommunalpolitik ist bürgerschaftliches Engagement essentiell. Aber ich komme auf meine eingangs formulierten Sätze zurück: Gästeführer haben eine besondere Aufgabe. Sie können dabei helfen, endogene Potenziale zu entdecken, zu identifizieren, zu vermarkten und natürlich auch zu verstärken. Letzteres ist allerdings wieder ein gesellschaftlicher Auftrag für die regionale Bevölkerung. Regelmäßiger Austausch mit den Politikern in Kommune, Land und Bund ist daher zwingend notwendig. Und manchmal muss man mehr als einmal anklopfen, bevor der eine oder andere Kollege das erkennt. Ich glaube aber, dass es sich lohnt, stetig den Kontakt zu suchen.
CICERONE: Herr Tressel, vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg!
Markus Tressel, Tourismuspolitischer Sprecher der Fraktion BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN
Georg Reichlmayr, Redaktion CICERONE, reichlmayr@bvgd.org
Georg Reichlmayr, Redaktion CICERONE,
reichlmayr@bvgd.org
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Markus Tressel – Tourismuspolitischer Sprecher der Fraktion BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNENMitglied der Grünen seit 1994; vom 01.04.2000 bis 26.05.2002 Landesgeschäftsführer der Saar-Grünen; von Mai 2002 bis Oktober 2004 hauptamtlicher Politischer Geschäftsführer der Saar-Grünen und Mitglied im geschäftsführenden Landesvorstand; Wahlkampfleiter der saarländischen Grünen im Bundestagswahlkampf 2002, 2005 und gleichzeitig Bundestagskandidat auf der Landesliste; 2004 bis 2009 Fraktionsgeschäftsführer der Grünen-Fraktion im Landtag des Saarlandes. |
