Fachvorträge Deutscher Gästeführertag 2018 – Welterbe und Denkmalschutz

Am Nachmittag des Potsdamer Gästeführertags folgten Vorträge von renommierten Fachleuten. Claudia Gilles, Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Tourismusverbandes (DTV) stellte aktuelle Tourismustrends vor und sagte, auch bei den Rekordzahlen der letzten Jahre müsse die Politik an den Rahmenbedingungen arbeiten, damit das Klima so positiv bleibe. „Overtourism“ wirke sich mancherorts schon negativ aus durch die zunehmenden Kurz- und Städtereisen. Hier könne man mit Klasse statt Masse, der Verlängerung von Saisonzeiten oder Angeboten abseits der Hotspots entgegenwirken, so Gilles.

Dieter Gauf (RDA, re.) und Claudia Gilles (DTV, li.) im Ausstellerbereich des Dt. Gästeführertags 2018 (Foto: BVGD)

Sharing Economy und Online-Buchungen seien längst normal geworden. Jeder 6. EU-Bürger buche inzwischen Privatunterkünfte über Plattformen wie AirBnB. Außerdem gebe es ein zunehmendes Bedürfnis nach individuellen, authentischen Reiseerlebnissen wie sie zum Beispiel Gästeführer mit ihren Themenangeboten lieferten. Gilles dah auch Sprachsteuerungssysteme im Trend und kritisierte, dass die vielen Angebote den Kunden oft überforderten. Letztlich suchten viele Reisende einfach nur Ruhe und seien besonders für regional geprägte Angebote empfänglich, die nicht in einem Prospekt stünden.

Im Jahr des Europäischen Kulturerbes 2018 lautete das Fachthema „Welterbe und Denkmalschutz – Last oder Lust für den Tourismus?“ Beleuchtet wurde hier auch die Aufgabe der Gästeführer, den Wert dieses Erbes zu vermitteln und immer wieder auszugleichen zwischen den Anforderungen von Denkmalpflegern, Touristikern und Gästegruppen.

Georg Friedrich Prinz von Preußen, Chef des Hauses Hohenzollern und Mitglied des Stiftungsrates der Deutschen Stiftung Denkmalschutz spricht auf der Fachtagung (Foto: BVGD)

Viel beachteter Redner war Georg Friedrich Prinz von Preußen, Chef des Hauses Hohenzollern und Mitglied des Stiftungsrates der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.  Er sprach über seine Identifikation insbesondere mit der Burg Hohenzollern – seit langem Stammsitz der Familie  – und den Schlössern in Potsdam, die seit der Zeit Fritz des Großen schon alle besichtigt werden konnten. „Dass die Schlösser bewohnt und mit Gästen belebt werden müssen, ist für mich selbstverständlich“, so der Prinz, „denn hier geht es auch um Identifikation und Kontinuität“. Und Gästeführer seien prädestiniert, dem Gast mit dem Kulturerbe „in Berührung zu bringen“. Zumal in einer Zeit, in der die allgemeine Wertschätzung für Kulturgüter sinke. Der Hohenzollern-Chef warnte vor oberflächlichem Zeigeist und Geschichtsvergessenheit in der modernen Architektur und schloss mit den Worten: „Denkmäler sagen uns, wer wir sind und woher wir kommen.“

Dr. Ramona Simone Dornbusch, Welterbe-Referentin beim Landesdenkmalamt Berlin schilderte in ihrem Vortrag, wie das Reisen schon seit Jahrhunderten als Bildungsauftrag verstanden wurde. „Denkmale tragen zum interkulturellen Verständnis bei und leisten ein Stück Friedenserziehung“, so Dornbusch. Dennoch beurteilt sie das Verhältnis von Denkmalpflege zu Tourismusmarketing eher kritisch. Beide könnten zwar voneinander profitieren, aber manchmal müssten Denkmale und ihre Anwohner auch vor zu vielen Besuchern geschützt werden. Sie bezeichnete Gästeführer als wichtige Bildungsarbeiter und Multiplikatoren. Diese müssten insbesondere Welterbestätten erklären, interpretieren und in Kontext setzen: „Die Welterbe-Charta ist kein Tourismusförderprogramm. Welterbe gehört uns allen und sollte dauerhaft erhalten werden“, resümierte Dr. Dornbusch.

Dr. Heinz Buri, Marketingdirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, sprach zum Thema „Welterbe im Tourismus am Beispiel Berlin-Potsdamer Kulturlandschaft“. Das Schloss Sanssouci nannte er ein „Epizentrum des Tourismus“, habe aber dennoch keine steigenden Besucherzahlen. Deshalb müsse man auch hier im Rahmen der Denkmalverträglichkeit für den Besuch werben und die Ströme geschickt lenken: z. B. indem man Tickets online buchbar mache, die Besucherzahl pro Tag beschränke und den Zugang zeitlich eingrenze. Auch Barrierefreiheit sei ein Riesenthema, so Buri. Außerdem werde eine Reise immer mehr von der Qualität des Gästeführers bestimmt als vom Hotel. Trotzdem hält er aus organisatorischen und finanziellen Gründen den Einsatz von Audioguides in den Potsdamer Schlössern für unverzichtbar. Künftig werde die Verwaltung persönlich geführte Rundgänge voraussichtlich nur noch als „Premiumangebot“ vermarkten.

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