Bustouristiker auf Leitmesse in Köln – Trend zum „Authentisch reisen“

Die Bus- und Gruppentouristiker Europas trafen sich im Juli wieder auf dem RDA-Workshop in Köln, um Kontakte zu pflegen und Reisen oder Reisebausteine für die Saison 2016/17 einzukaufen. BVGD-Vorstandsmitglied Sonja Wagenbrenner nutzte die Messe vorwiegend, um mit dem neuen BVGD-Katalog CICERONE Spezial die Angebote von Deutschlands Profi-Guides bekannter zu machen.

CICERONE_spezial_T_500

Viele Reiseveranstalter und Paketanbieter nahmen den Katalog freudig entgegen. Carmen Gomez, Produktmanagerin Deutschland der Branchengröße Behringer Touristik, kommentierte: „Das ist eine schön gemachte, sehr kompakte Übersicht über die speziellen Angebote der Profi-Guides in Deutschland und inspiriert für die Entwicklung neuer Reise-Ideen und Destinationen.“ Auch die Gästeführersuche auf der Verbandsseite unter „www.bvgd.org“ wird gern genutzt, um qualifizierte Guides in einer bestimmten Region zu finden, so die Rückmeldung einiger Veranstalter.

Nachdem der RDA bereits im Frühjahr erstmals eine weitere Messe in Friedrichshafen vorgeschaltet hatte, war man diesmal auf die Beteiligung in Köln sehr gespannt. 700 Aussteller aus 40 Reiseländern kamen und machten nach Angaben der Organisatoren gute Geschäfte. Die Bilanz für Busreisen fällt für 2015 jedenfalls wieder positiv aus: Gruppenreisen mit dem Bus ins In- und Ausland sind bei den Deutschen nach wie vor beliebt. In Deutschland fahren sie am liebsten nach Mecklenburg-Vorpommern. Die weiteren Plätze nehmen Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein ein. Das Durchschnittsalter der Reisenden ist leicht gesunken und die Nachfrage nach Komfort weiter gestiegen.

Zur Eröffnung der Messe nannte RDA-Präsident Richard Eberhardt den Ausstieg der Briten aus der EU einen „wirklich grauenhaft schwarzen Tag für den europäischen Einigungsgedanken“. Er sorge sich, dass es künftig nun wieder komplizierter werde, grenzüberschreitende Mobilität zu organisieren: durch zeitaufwändige Kontrollen, Wartezeiten und Geldwechselaktionen. Die Touristiker bräuchten dringend ein einiges Europa, so Eberhardt weiter, denn: „Drohende Szenarien einer erneuten Kleinstaaterei wären gerade für die Bus- und Gruppentouristik ein Rückschlag bis buchstäblich weit in die Steinzeit.“

Den Einstieg von FlixBus in das Omnibus-Vermietungsgeschäft bezeichnete der RDA-Präsident als „Schlag ins Gesicht der eigenen mittelständischen Partner“. Über das neue Portal „FlixBus mieten“ kann sich ein Endkunde innerhalb weniger Sekunden den Mietpreis für einen Bus mit Fahrer zu einem bestimmten Ort errechnen lassen – mit Preisgarantie und sofortiger Buchungsoption. Der Verband fürchtet hier einen weiteren Preiskampf am Markt und kündigte mit dem Portal „bus.de“ im Herbst die Gegenoffensive an.

Im „RDA-TrendForum“ ging es um das Thema „Meet the locals – authentisch reisen“. Professor Florian Hummel und Hanno Martens von der Cologne Business School plädierten für mehr Authentizität bei Reiseangeboten. Sie spiele im Destinationsmarketing eine entscheidende Rolle. „Echte“ Dinge sehen und erleben, die typisch sind für die gewählte Destination und ihren Charakter bestimmen, sei ein Alleinstellungsmerkmal. Das Gefühl der Urlauber, fernab des Tourismus zu sein, sei entscheidend für ein Urlaubserlebnis.

Extrem-Bergsteiger, Buchautor und Museumsmacher Reinhold Messner auf dem RDA-Workshop in Köln 2016
Extrem-Bergsteiger, Buchautor und Museumsmacher Reinhold Messner auf dem RDA-Workshop in Köln 2016

Beim Vortrag des Extrem-Bergsteigers, Buchautors und Museumsmachers Reinhold Messner waren sogar die Stehplätze knapp. Er warb für seine „Messner Mountain Museen“ in Südtirol und Belluno. Die mitten in die Natur und in vorhandene Architektur integrierten Museen seien eine Begegnungsstätte mit dem Berg und mit sich selbst, sagte er. Und Messner kann man dort auch begegnen: Beim Gespräch am Feuer, beim Yakauftrieb oder in der Signierstunde. Ein Stück lokale Kultur wolle er zeigen und mit dem Tourismus die traditionelle Berglandschaft retten, erklärte er weiter. Aber in der Nähe habe man keinen international gut angebundenen Flughafen. Deshalb seien seine Museen ideale Ziele für Bustouristen. Für die Zukunft seien mehr Investitionen in die Infrastrukur nötig, so der Star-Bergsteiger: „Im Tourismus hat auf Dauer nur Bestand, wer in die Zukunft investiert und mit der Zeit geht.“

BVGD-Vorstandsmitglied Sonja Wagenbrenner und Josef Sommer, Geschäftsführer der Köln Tourismus GmbH
BVGD-Vorstandsmitglied Sonja Wagenbrenner und Josef Sommer, Geschäftsführer der Köln Tourismus GmbH

Das bestätigte auch Josef Sommer, Geschäftsführer der Köln Tourismus GmbH im Gespräch. Die hohe Qualität einzelner Reiseleistungen bezeichnete er als permanente Herausforderung, der sich alle Dienstleister im Tourismus stellen müssten: „Die Gäste werden immer reiseerfahrener und damit steigen die Ansprüche – auch an innovative Gästeführungen. Gefragt ist nun mal „Edutainment“ – also nicht nur maximale Wissensvermittlung, sondern auch mehr Persönlichkeit, mehr Unterhaltung, mehr Showeffekt.“ Ansonsten weiß Sommer das Engagement des BVGD und seiner Mitglieder sehr zu schätzen: „Wir pflegen mit unseren Gästeführern traditionell eine ganz wichtige und intensive Form der Zusammenarbeit und helfen jetzt schon begeistert mit, im Jahr 2020 den Deutschen Gästeführertag des BVGD in Köln zu einem Ereignis zu machen.“