Publikationen Mitglieder

Neuerscheinungen aus der Feder von BVGD-Mitgliedern

Viele der BVGD-Mitglieder sind auch publizistisch aktiv. Immer wieder erscheinen neue Bücher unserer schreibfreudigen Kolleginnen und Kollegen auf dem Markt. Zuletzt wieder sechs Bücher über Kirchenbau-Didaktik und eine Abtei bei Aachen, über Geschichten und Bauten in Saarbrücken, Würzburg, Bochum und die Blauen Reiter. Die Besprechungen hat CICERONE-Redakteur Georg Reichlmayr verfasst:

Andreas Müller: Kirchenbau als Symbol. Zur Grundlegung der Religions- und Liturgiedidaktik des christlichen Kirchenraums. Theologische Reihe, Bd. 105. EOS Verlag St. Ottilien 2017

Andreas Müller (Bonn) hat Philosophie, Theologie und Germanistik studiert und war anschließend Gymnasiallehrer in Wuppertal, Mettmann und Königswinter. Nach einem späteren Fortbildungsstudium in St. Augustin legte er eine theologische Dissertation von außergewöhnlichem Format vor. Denn, so betont der Verfasser: „Für die grundlegende Fortbildung motivierter Gästeführer im Bereich spiritueller Kirchenführung erscheint mir das Werk sehr geeignet… In erster Linie geht es in dem Buch darum, „den christlichen Kirchenraum auf seine Symbolik zu befragen“ (S. 19), und um die Kompetenzen, einen Kirchenraum bewusster wahrnehmen, angemessen symbolisieren und mit ihm religiös verantwortet umgehen zu können.

 

Renata A. Thiele: Kornelimünster. Geschichten um eine Abtei. Ammianus GbR Aachen 2016.

„Neben drei Aachen-Krimis habe ich ein kleines Buch über Kornelimünster (heute ein Vorort von Aachen, Richtung Eifel) geschrieben. Es sind fiktive Erzählungen, eingebettet in die wahre Geschichte des Ortes.“ Renata A. Thiele liebt ihre Wahlheimat Aachen, wo sie als Gästeführerin unterwegs ist. Und sie erklärt ihre Faszination für Orts-Geschichten: „Es ist so spannend zu sehen, wie die vielen facettenreichen Episoden der Vergangenheit die Gegenwart formen.“ Diesen Ansatz setzt Thiele bestens um. Sie lädt den Leser ein, „aus dem bunten Potpourri einzelne Augenblicke und historische Momente herauszuschälen“ und einen „gemächlichen“ Spaziergang zu unternehmen. So verwebt sie ereignisreiche und lange Geschichte mit der Wahrung religiöser Traditionen in einprägsamen Schilderungen. Lesenswert für alle Besucher, für Archäologen und für Naturschützer!

Florian Brunner und Markus Philipp: Saarbrücker Spurensuche Bd. 2: Neue Reisen zu sichtbaren Geheimnissen der Stadt. Geistkirch-Verlag Saarbrücken 2015.

„Im Cicerone 2/2016 haben Sie über unser Buch „Saarbrücker Spurensuche“ berichtet. In der Zwischenzeit haben die Spurensucher alles andere als pausiert. Eigene Ideen, aber auch viele Tipps von Lesern und Kollegen haben zu einem weiteren Band geführt, der nun erschienen ist“, schrieb Markus Müller an CICERONE, und deshalb soll die Fortsetzung ebenfalls präsentiert werden. Wieder geht es um Fundstücke im Saarbrücker Stadtbild, deren Hintergrund oder Zweckbestimmung sich nicht auf den ersten Blick erschließen. Die Fundstücke sind Reste und Zeugnisse einer vergangenen Zeit. Dieser zeitliche Begriff ist weit gefasst – so ist das Mittelalter genauso darunter zu verstehen wie die Nachkriegszeit im 20. Jahrhundert. Viele Objekte haben eine kuriose Geschichte oder verblüffen durch ihren Standort. Wie sich immer wieder zeigt, sind sie es wert, näher hinzusehen und nachzufragen, weil sie sich nicht immer von selbst erklären. Alteingesessene und Zugezogene werden staunen, welche interessanten Details es in Saarbrücken zu entdecken gibt. Der Leser merkt schnell: Markus Philipp kann hier mit seiner langjährigen Erfahrung als Stadtführer punkten.

Antje Hansen und Suse Schmuck: Das ehemalige Zuchthaus von Peter Speeth. Hefte für Würzburg, Heft 6, Hg. Heiner Reitberger Stiftung, Würzburg 2017.

Die Würzburger Kunsthistorikerin und Gästeführerin Antje Hansen präsentiert zusammen mit Suse Schmuck eine aktuelle Publikation über das ehemalige Würzburger Zuchthaus des Revolutionsarchitekten Peter Speeth (1772-1831). Dieser überregional bedeutende Architekt einer strengen nachbarocken Architekturrichtung wirkte über viele Jahre in Würzburg. Das Zuchthaus – sein berühmtestes Bauwerk und zugleich ein Hauptwerk der sogenannten „Revolutionsarchitektur“ – firmiert auch unter dem Namen „Ägyptischer Bau“, was bereits die Exotik des Baustils andeutet. Mit ihren analysierenden Beschreibungen der Fassade tragen die Autorinnen zum Verständnis dieser „sprechenden Architektur“ bei, die symbolisch verstanden werden soll. Auch die Grundrisse sind zum ersten Mal publiziert, außerdem wird die Bedeutung des Baus für Würzburg erläutert und Hinweise auf andere Speeth-Bauten in Würzburg gegeben. Mit dieser in der Reihe „Hefte für Würzburg“ erschienenen Broschüre bleibt die herausgebende Heiner Reitberger Stiftung ihrer Zielsetzung treu, wenig oder nur oberflächlich bekannte Würzburger Bauten einem interessierten Publikum nahezubringen. Das Heft ist über die Heiner Reitberger Stiftung oder die Würzburger Buchhandlungen erhältlich.

Anne Funck: Die Blauen Reiter. Wild, frei, gegen den Wind. Klinkhardt & Biermann München 2017.

Anne Funck ist als freie Lektorin, Museumspädagogin und Münchner Gästeführerin tätig. Und sie verfasste für den Klinkhardt & Biermann Verlag die erfolgreichen Kinderkunstbücher, die durchaus auch für Erwachsene Leser und Kunstkenner eine genussvolle Lektüre darstellen. Nun erschienen „Die Blauen Reiter“, und die Presse ist zu Recht begeistert: „Die Autorin Anne Funck erzählt von den „Blauen Reitern“, als säße sie selbst unter ihnen“, schrieb der Münchner Merkur. Wassily Kandinsky mag die Farbe Blau, Franz Marc liebt Pferde und August Macke greift zur Gießkanne, um ein Pflänzchen gedeihen zu lassen, das einen Namen trägt: Es ist die neue Kunst der Blauen Reiter, die aus dem Gefühl entsteht, in leuchtenden Farben, wild, frei und revolutionär. Reich bebildert und lebhaft versteht es Anna Funck, die Künstler der Moderne ganz gegenwärtig zu machen.

Frank Dengler: Gruß aus Bochum. Stadtansichten und Stadtgeschichte. Klartext Verlag Essen 2017.

Faszinierende Einblicke und Vergleiche zwischen Vergangenheit und Gegenwart, die insbesondere Bochumer, aber auch Besucher und stadtgeschichtlich interessierte Leser ansprechen, garantieren die Lektüre und der reiche Bilderschatz in Frank Denglers neuem Werk. Postkarten werden seit jeher zu vielen Anlässen verschickt: Grüße aus der Heimat, Grüße aus dem Urlaub, Grüße zu Festtagen. Oft wurden bei diesen Gelegenheiten Postkarten mit Stadtansichten verschickt. Bilder, die heute einen Eindruck vermitteln, wie Sehenswürdigkeiten und das Leben in der Stadt damals aussahen. Frank Dengler hat sich aufgemacht und in mühevoller Kleinarbeit Bochumer Postkartenschätze zusammengetragen, die uns in alte Zeiten versetzen. Demgegenüber stellt er aktuelle Aufnahmen, die uns den Vergleich zwischen gestern und heute ermöglichen. Zu jedem Motiv erfährt der Leser spannende Hintergründe der Bochumer Stadtgeschichte.

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Johannes Sander und Wolfgang Weiß (Hg.): Der Würzburger Dom im Mittelalter. Geschichte und Gestalt (Würzburg, Echter 2017)

Johannes Sander: Würzburg. Architektur seit 1918 (Regensburg, Schnell & Steiner 2017)

Der Würzburger Kunsthistoriker und Gästeführer Johannes Sander präsentiert gleich zwei aktuelle Publikationen, einmal zur mittelalterlichen Geschichte und Gestaltung des Kiliansdomes und einmal zur Würzburger Stadtarchitektur des 20. Jahrhunderts. In der Publikation zum Würzburger Dom sind Beiträge einer wissenschaftlichen Fachtagung von 2016 zusammengefasst, die die architekturgeschichtlichen Probleme neu  beleuchten und die Stellung des Doms innerhalb der mittelalterlichen Sakralarchitektur zu definieren suchen. Das Buch zur Architektur seit 1918 richtet sich an ein breites Publikum. Sander zeigt Würzburg als repräsentatives Beispiel für die architekturgeschichtliche Entwicklung einer Stadt mit herausragenden Einzelbauten und größeren zusammenhängenden Bestandsgruppen. Er stellt baukünstlerische Erscheinungen dar, verankert sie in der allgemeinen Architekturgeschichte und unternimmt den Versuch einer Erarbeitung von Qualitätsmaßstäben.

Carmen Müller und Udo Bernhardt: 99 x Trier und die Mittelmosel – wie Sie diese noch nicht kennen (München, Bruckmann 2017)

„Ich wollte keinen typischen Reiseführer schreiben, sondern unterhaltsame Einführungen in den jeweiligen Erkundungsort bieten“, sagt die Autorin. Carmen Müller ist Mitglied im Verein der Gästeführer Trier und Region e. V. und „möchte daher die passenden Tipps mitgeben“. Und das ist ihr gelungen. Trier, die älteste Stadt Deutschlands, Metropole an der Mittelmosel und eingebettet in die  herrliche Landschaft zwischen Hunsrück, Eifel und Saar, hat eine große Fangemeinde. Wer die üblichen Reiseführer schon durchgearbeitet hat, nimmt diesen. Er platzt vor Geheimtipps wie der Hutmacherterrasse, dem Kommholmich und ungeahnten Entdeckungen rund um Triers Amphitheater. Dabei werden auch die Nebenflüsse der Mosel – die Saar und die Ruwer – berücksichtigt.

 

Tobias Allers: Neuberliner. Migrationsgeschichte Berlins vom Mittelalter bis heute (Berlin, Eisengold Verlag 2017)

Berlins Geschichte ist ohne seine Einwanderer nicht zu erzählen. Tobias Allers ist Historiker und zertifizierte Gästeführer in Berlin. Er bietet unter anderem die Tour „Geflüchtete aus historischer Perspektive“ an und hat nun eine umfängliche Studie dazu veröffentlicht. Er führt durch die wechselhafte Migrationsgeschichte, von den ersten Siedlern in den mittelalterlichen Kaufmannssiedlungen bis zu den vietnamesischen Gastarbeitern in der geteilten Stadt, von den Glaubensflüchtlingen der kurfürstlichen Zeit bis zu den Bürgerkriegsflüchtlingen heute. Allers zeigt: Berlin ist eine Erfolgsgeschichte der kulturellen Vielfalt. Doch der reich bebilderte und ausgesprochen anschaulich gestaltete Band ist eine erhellende und nachhaltige Lektüre für jeden Interessierten, weit über Berlin hinaus.

 

Antje Kahnt: Düsseldorfs Starke Frauen. 30 Porträts (Droste Verlag 2016)

Louise-Dumont-Straße, Kay-und-Lore-Lorenz-Platz, Mutter-Ey-Straße und Luise-Rainer-Straße: Aus gutem Grund sind Straßen und Plätze in der Landeshauptstadt nach bemerkenswerten Frauen benannt, die seit über 600 Jahren mit ihren Ideen, ihren Fähigkeiten und ihrer Kreativität in und für Düsseldorf Großes bewirken. In Ihrem Buch schildert Antje Kahnt die Schicksale von 30 faszinierenden Frauen: der Fotografin Hilla Becher, der Pianistin Clara Schumann, der Journalistin und Politikerin Hulda Pankok, der ersten Diakonievorsteherin Friederike Fliedner oder der Oberbürgermeisterin Marlies Smeets. Sie alle haben eine kürzere oder längere, auf jeden Fall aber prägende Zeit in Düsseldorf verbracht. Von hier aus hatten sie Kunst, Gesellschaft und Politik erobert. Die Autorin Antje Kahnt hat Wirtschaftswissenschaften studiert und ist leidenschaftliche Gästeführerin in ihrer Wahlheimat Düsseldorf.

Claudia Wagner: König und Kaiserin auf kleinem Fuß (Eigenverlag, 2017)

Die Autorin Dr. Claudia Wagner hat Germanistik und Kunstgeschichte an der LMU in München studiert und wurde an der FU Berlin in Kunstgeschichte promoviert. Sie arbeitet als offizielle Gästeführerin der Landeshauptstadt München, als Kuratorin, Autorin und Lektorin für diverse Museen und kunsthistorische Verlage. Das Buch „König & Kaiserin auf kleinem Fuß“ erarbeitete sie zusammen mit Dr. Wilfried Wagner, der die einzelnen Kapitel mit liebevollen Zeichnungen und Illustrationen versah, sowie der Grafikerin Judith Will-Losonsky, die dem Büchlein mit viel Liebe zum Detail ein modernes Design verlieh.

Wir begeben uns auf Spurensuche von König Ludwig II. und Kaiserin Elisabeth von Österreich – das Schicksal dieser beiden berühmten Mitglieder aus dem bayerischen Adelshaus der Wittelsbacher ist auf ewig mit dem Starnberger See verbunden. Ludwig stirbt an dessen Ostufer in bislang ungeklärten Umständen. Einer der berühmtesten Todesfälle der Geschichte und die Aufenthalte des Königs zu Lebzeiten hinterlassen Spuren zwischen Starnberg und Schloss Berg. Im gegenüberliegenden Possenhofen weilte gleichzeitig die Großcousine „Sisi“, die am Westufer nicht nur ihre unbeschwerte Kindheit verbrachte, sondern auch als Kaiserin viele Sommer aus der Wiener Hofburg flüchtend in ihre Heimat zurückkehrte. Im Rahmen zweier Spaziergänge nimmt dieses Buch Groß und Klein mit auf eine unterhaltsame und spannende Entdeckungsreise. Reich illustriert mit historischen Abbildungen aber auch eigens angefertigten Fotos sowie zahlreichen Zeichnungen möchte das Buch vor allem Kinder und Jugendliche mit Geschichte und Geschichten aus dem bayerischen Herrscherhaus vertraut machen.

Birgit Berndt: Stralsund – Geschichten und Anekdoten „Um drei in der Fährstraße“ (Wartberg-Verlag 2016)

Birgit Berndt ist Stadtführerin und Autorin in Stralsund. Als Mitglied im Stralsunder Gästeführerverein 07 gehört sie auch dem BVGD an. Im Herbst 2016 erschien im Wartberg-Verlag ihr drittes Buch: Stralsund – Geschichten und Anekdoten. Als Wahlstralsunderin erfuhr sie in vielen Gesprächen mit Freunden, Bekannten und Kollegen Interessantes, Erstaunliches und Spannendes aus der jüngeren Vergangenheit der Stadt. Sie erzählt unterhaltsam und kurzweilig von Ereignissen, Menschen und Orten, an die sich viele Einheimische erinnern. Aber auch für Gäste ist dieses Buch ein kurzweiliges Lesevergnügen. Da geht es um eine Liebelei im Stadttor, wie ein Kutter durch die Stadt fuhr oder um ein echtes Original, das in der alten Hafenkneipe seine Läuschen erzählte. Oder darum, dass die einst so geliebte Straßenbahn nicht mehr durch die Gassen der Altstadt zockelt und, und, und…. Neugierig geworden?

Brigitte Riemer: Heilbronn – Geschichten und Anekdoten. „… und wachsam grüßt das Männle“. Wartberg Verlag GmbH & Co.KG 2015

Brigitte Riemer ist freiberufliche Stadtführerin in Heilbronn und Weinerlebnisführerin. Über den Verein Weinerlebnisführer Württemberg e. V. ist sie Mitglied im BVGD. Als gebürtige Heilbronnerin kennt sie sich prächtig aus mit Geschichten und Anekdoten ihrer Stadt. Einige davon, lustige und ernste, erzählt sie in ihrem neuen Buch. Im Mittelpunkt stehen Persönlichkeiten, die nicht unbedingt im Rampenlicht standen, aber das Leben in Heilbronn prägten oder einfach nur bunter machten. Für viele Leser in Heilbronn ermöglichen die Erzählungen ein Abtauchen in die eigenen Erinnerungen und frühere Zeiten, eine Erinnerungsreise in die jüngere Vergangenheit. Aber auch für alle Besucher oder neuen Bewohner Heilbronns ist die Lektüre ein großes Lesevergnügen.

Florian Brunner, Markus Philipp: Saarbrücker Spurensuche. Eine Reise zu sichtbaren Geheimnissen der Stadt. Geistkirch-Verlag 2015

Seit Jahren begeistert sich Markus Philipp für „Objekte, die einfach so übrig geblieben sind“, und die „dem Betrachter eine Geschichte aus anderen Zeiten erzählen“. Und als langjähriger Saarbrücker Gästeführer kennt er zahlreiche Orte und Objekte, die Stoff für Erzählungen liefern. Entstanden ist ein umfänglicher und sehr gut bebilderter Band, der auch Ortsfremde gleich in den Bann zieht. Heimatkunde, die fasziniert und die man so auch an anderen Orten umsetzen möchte. Statt eines wissenschaftlichen Ansatzes möchten die Autoren Impulse geben und zum genauen Hinsehen anregen. Denn oft, so stellt man bei der Lektüre fest, überraschen gerade die unscheinbaren Dinge. Manche Fundstücke offenbaren ihren Hintergrund und ihre Zweckbestimmung erst beim genauen Studium, um dann umso interessanter zu wirken. Das Lüften der Saarbrücker Geheimnisse ist ein wahres Lesevergnügen.

Stefan Woltersdorff: Johannes Beinert – ein Leben am Oberrhein. Eine biographische Erzählung. Gmeiner Verlag 2016

Schon mehrfach wurden Stefan Woltersdorffs literarische Essays und Reiseführer beiderseits des Rheins im CICERONE vorgestellt. Diesmal handelt es sich um eine “biografische Erzählung”, die den Literaturwissenschaftler, Heimatforscher und Grenzgänger Johannes Beinert vorstellt. Beinert wurde 1877 in Eckartsweier bei Kehl geboren und starb 1916 im Alter von nur 38 Jahren in Frankreich während der Somme-Schlacht. Als Deutsch- und Französischlehrer kannte und liebte er beide Staaten, deren Feindschaft ihn am Ende das Leben kostete. Die mit zahlreichenden Originalbildern illustrierte Monografie präsentiert seinen spannenden Weg vom einfachen Bauernsohn zum erfolgreichen Buchautor, engagierten Pädagogen und Doktor der Philosophie, der nach eigener Aussage »wie ein Märchen klingt«.

 

Maren Richter / Winfried Sträter: Potsdam. Der historische Reiseführer, Berlin (Ch. Links) 2015.

Potsdams reiche Geschichte, als Residenzstadt der Preußenkönige, während der wilhelminischen Ära, Weimarer Republik und NS-Zeit und schließlich als Grenzstadt zu West-Berlin und Hauptstadt Brandenburgs in der Gegenwart: Mit dem geschulten Blick einer zertifizierten Gästeführerin weiß Autorin Maren Richter den Blick des Lesers auf die wichtigen Sehenswürdigkeiten zu lenken und diese kompetent vorzustellen. Zusammen mit Winfried Sträter zeichnet sie in 70 Ortseinträgen die großen Linien der spannenden Potsdamer Geschichte nach.

 

 

Stefan Woltersdorff: Mußestunden in Straßburg und Umgebung. Von Kirchen, Störchen und Europa. Meßkirch 2015.

Schon mehrfach wurden Stefan Woltersdorffs literarische Essays und Reiseführer beiderseits des Rheins im CICERONE vorgestellt, zuletzt bezüglich grenzüberschreitender Fortbildungen, und doch findet der Autor erneut reichlich Stoff für Straßburgs „turbulente“ Geschichte. Wieder folgen seine Betrachtungen der deutschen und der französischen Perspektive, denn Straßburg und Kehl bilden für Woltersdorff „eine gemeinsame Metropole mit Doppelpass“. Ob Woltersdorff über Goethe in Straßburg oder über Gourmet- Essen berichtet, stets wendet er sich an Muße-Leser und Genießer. Trotz zahlreicher kurzer Kapitel, die sich bestens zum Nachlesen vor Ort eignen, liefert er kein schnelles Nachschlagewerk mit kurzen Tipps und griffigen Hinweisen, sondern will die Mußestunden des Lesers bereichern, zum Beispiel im Klostergarten Saint-Pierre-le-Jeune oder in den Auenwäldern bei Kehl. Reich bebildert, eignet sich der Band aus der Verlagsreihe „Lieblingsplätze zum Entdecken“ für jeden Aufenthalt in Straßburg und Umgebung.

Claudia Wagner: Starnberg auf kleinem Fuß. Ein Stadtführer für Gross und Klein. Kulturverlag Stadt Starnberg 2015.

„Die Stadt hat eine spannende Geschichte zu bieten“, berichtet der schwarze Star, Starnbergs gefiedertes Wappentier, das die junge Leserschaft mit auf die Reise nimmt zu „alten Römern, hinterlistigen Königsmördern und hübschen Prinzessinnen“. Dr. Claudia Wagner, erfahrene Gästeführerin in München und Lektorin, bietet eine Entdeckungsreise durch ihre bayerische Heimatstadt am gleichnamigen See in 23 Kapiteln. Dabei geht es um die Eiszeit ebenso wie um die Fische im See und die farbigen Trachten der Einheimischen. Und immer finden sich die passenden Suchbilder oder Rätsel, die die Lektüre für die ganze Familie geeignet machen. Den Stadtführer Starnberg erarbeitet sie gemeinsam mit Dr. Wilfried Wagner, der die Zeichnungen fertigte, mit der Grafikerin Judith Will-Losonsky und dem Fotografen Sandor Bonnier. Gemeinsam gelang ihnen ein liebevolles kleines Büchlein, das jeden Starnberger und Besucher bereichert.

Annette Wozny-Koepp: Erlebnistouren „Typisch Niederrhein” / Nordkreis und Erlebnistouren „Typisch Niederrhein” / Südkreis. Tourentipps für Jung und Alt. Pagina Verlag 2014 und 2015.

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„Ich habe bereits vor 30 Jahren meine Diplomarbeit über den Niederrhein (Xanten) geschrieben und bin mit Leib und Seele diesem Genre immer treu geblieben. Doch der Niederrhein hat sich so stark verändert, dass ich fünf Jahre brauchte, um ihn vom Norden bei Emmerich bis zum Süden bei Nettetal mit Sprung über die grüne Grenze zu erfassen und erlebenswert mit vielen Geheimtipps darzustellen“, verrät Autorin Annette Wozny-Koepp, Gästeführerin (Arbeitskreis Niederrhein) und begeisterte Fotografin. Zahlreiche Tages- und Mehrtagestouren, die sie in diesem
Reiseführer beschreibt, lassen den Leser die landschaftlichen Reize und
vielfältigen Erlebnismöglichkeiten am Niederrhein entdecken.
Die Touren sind abwechslungsreich gestaltet und komplett inklusive gastronomischer Tipps und Serviceadressen ausgearbeitet. Insidertipps verraten
geheime Ecken oder weisen auf erlebenswerte Veranstaltungen hin. Die beiden Bücher verraten, was so einzigartig typisch niederrheinisch ist.

Stefan Wiedemann: Wiesbaden. Geschichten und Anekdoten. Wartberg Verlag 2015.

„Diese kleine Sammlung von Geschichten und Anekdoten ist entstanden während meiner sechszehnjährigen Tätigkeit als Gästeführer in Wiesbaden“, bekennt der Autor im Vorwort und macht klar, dass es ihm gerade um die Vermittlung guter Geschichten und die Weitergabe derselben an Kolleginnen und Kollegen geht. Im Mittelpunkt stehen Persönlichkeiten, die das Wiesbadener Leben prägten oder bunter machten, und kuriose und bezeichnende Ereignisse. Der Leser erfährt, warum die Nerobergbahn bei der Beförderung eines württembergischen Landfrauenvereins den Dienst versagte und was es mit dem Papagei der französischen Kaiserin Eugénie auf sich hatte. Eine gelungene und vergnügliche Erinnerungsreise.

 

Manfred Böckling, Koblenz. Stadtwanderführer, Wartberg Verlag 2014

Koblenz und seine facettenreiche Geschichte lässt sich nun zu Fuß erschließen mit einem im Wartberg-Verlag erschienenen Stadtwanderführer. Der Autor, Germanist, Kunsthistoriker und Gästeführer Manfred Böckling hat 20 Touren von ein bis drei Stunden Dauer zusammengestellt, die Koblenz und seine Umgebung mit den verschiedenen Stadtteilen und auf thematischen Routen erschließen: Der Leser kann selbst entscheiden, ob er lieber den Spuren der Römer in Koblenz folgen, die Stadt im Mittelalter kennenlernen, gleich ein ganzes Stadtviertel oder den Hauptfriedhof erkunden will. Oder doch lieber die Kirchen der Altstadt oder die Feste Ehrenbreitstein? Der Stadtwanderführer bietet für jeden etwas. Dank der kundigen Beschreibungen erfährt selbst der Koblenz-Profi noch allerhand Neues und Unerwartetes. Übersichtliche und hilfreiche Hinweise zu Länge, Gehzeit, Schwierigkeit und Einkehrmöglichkeiten bei jeder Tour runden diesen sehr ansprechenden Führer ab.

Jörg-Reiner Mayer-Karstadt, Die Ruinen im Kartäusertal und Burg Katzenstein, Eigenverlag 2014

Burgenfreunde kommen auf ihre Kosten in Jörg-Reiner Mayer-Karstadts Studie zu den „Ruinen im Kartäusertal und Burg Katzenstein“. Konkret geht es um die Geschichte der Herren von Hürnheim und die baulichen Spuren, die dieses schwäbische Adelsgeschlecht im Mittelalter und der frühen Neuzeit südlich von Nördlingen hinterlassen hat. Das Buch, das sich nicht zuletzt als „Wegweiser (…) zu den Burgruinen des Kartäusertals und einem
Besuch der Burg Katzenstein“ (S. 9) versteht, hält zahlreiche historische Detailinformationen und Farbabbildungen bereit.

Johannes Sander, Bernhard Morell. Aufstieg, Wirken und Fall eines königlich-bayerischen Baubeamten in Unterfranken 1816/21
Edition Vulpes 2012

Johannes Sander, Kirchenbau im Umbruch. Sakralarchitektur in Bayern unter Max I. Joseph und Ludwig I. Schnell + Steiner 2013

72 Service - Autoren - Historismus71 Service - Autoren - Bernhard Morell

Um bayerische Kunstgeschichte geht es in gleich zwei Büchern aus der Feder des Würzburger Kunsthistorikers und Gästeführers Johannes Sander. Eine Biographie zu „Bernhard Morell. Aufstieg, Wirken und Fall eines königlich-bayerischen Baubeamten“ befasst sich auf Basis eines reichen Quellenmaterials eingehend mit dem bislang weitgehend unbekannten Architekten. Dabei war der gebürtige Schweizer Morell einer der wichtigsten Architekten im Bayern des frühen 19. Jahrhunderts. Zahlreiche Sakral- und Profanbauentwürfe im Stil des Klassizismus und der beginnenden Neugotik weisen ihn als bemerkenswerten Baukünstler aus. Die Baukunst zwischen Barock und Historismus ist der Gegenstand von Sanders zweiter Abhandlung. Detailliert und wiederum auf solider Quellenbasis befasst er sich mit den zwischen 1800 und 1840 in Bayern entstandenen Kirchenbauten, die er nicht nur sorgfältig katalogisiert, sondern deren spezifische Architektur er auch vor dem Hintergrund der ereignisreichen bayerischen Geschichte jener Jahrzehnte beleuchtet. Bauten wie St. Ludwig und St. Bonifatius in München oder St. Ludwig in Ansbach sind damit weit mehr als nur architektonische Vertreter von Spätbarock, Klassizismus oder Rundbogenstil, sondern Zeugnisse einer historischen Umbruchszeit. Mit dieser wissenschaftlich fundierten, umfassenden und reich bebilderten Darstellung ist dem Autor ein fundamentaler Beitrag zur Architekturgeschichte des 19. Jahrhunderts gelungen.

Heinrich Quillmann, Zahlen, Daten, Fakten von und über Nidderau, in: Nidderauer Hefte 14 (2014), S. 6 –77.

 Eine umfassende Abhandlung zu „Zahlen, Daten, Fakten von und über Nidderau“ stammt aus der Feder Heinrich Quillmanns. Diese höchst detaillierte Zusammenstellung von allem Wissenswerten über Nidderau und seine Geschichte – von der topographischen Beschreibung der Stadt bis zu ihren berühmten Söhnen und Töchtern – dürfte insbesondere für Ortskundige eine wertvolle Handreichung sein.

Oscar Winkler, Ans Ende der Welt – und noch ein Stück weiter. Eine abenteuerliche Reise in die Antarktis. BoD 2014

Buchstäblich bis ans Ende der Welt entführt Oscar Winkler die Leser seines Romans über eine Reise in die Antarktis. Von Feuerland über den Südatlantik, die Falkland-Inseln, Südgeorgien und Südshetland-Inseln bis aufs antarktische Festland und zurück bis nach Chile führt die abenteuerliche Fahrt. Der Leser macht Bekanntschaft mit Pinguinen, Robben und See-Elefanten und bestaunt „unsagbar schöne, oft tiefgefrorene Landschaften“. Die liebevollen Schilderungen von Land, Leuten und Begebenheiten basieren dabei auf tatsächlichen Erlebnissen des Autors während einer Antarktis-Expedition.

Christian Hill, Barbara Kösling: Mahlzeit! Berühmte Thüringer bitten zu Tisch. Jena, Quedlinburg (Bussert & Stadeler) 2014

Zwanzig berühmten Ur- und Wahlthüringern – von Luther über Goethe, Schiller, Brehm bis zu Merbold – hat das Autorenduo Christan Hill (Mitglied im Jenaer Gästeführerverein) und Barbara Kösling in die Töpfe geschaut. Veränderte der Inhalt eines geschmuggelten Heringsfasses Luthers Leben grundlegend? Zu welchen Zeiten gehörte ein Braukessel zur Mitgift einer Braut? Wo wurden Obstsäfte vor dem Verzehr zu Murmeln geformt? Das sorgsam recherchierte und liebevoll zusammengestellte Buch lädt mit zahlreichen Anekdoten und 135 historischen Rezepten – wie wäre es mit einem „Artischockensalat nach Goethe“ oder „Gebackenen Bierzwieblein“? – zu einer kulinarischen Zeitreise ein und ist wunderbar geeignet zum Nachlesen, Nachkochen und Sich-munden-lassen.